Befragung: Praxen sehen Nutzen in digitalen Anwendungen

Dr. Thomas Kriedel (Vorstandsmitglied KBV) im Interview zu Ergebnissen der Befragung zum Stand d. Digitalisierung und Vorstellung des PraxisBarometers

KBV - Praxisnachrichten vom 07.11.2019

Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten stehen der weiteren Digitalisierung offen gegenüber. Als besonders nutzbringend wird dabei das Praxismanagement bewertet. Das ergab das nunmehr zweite von der KBV in Auftrag gegebene PraxisBarometer Digitalisierung, an dem sich mehr als 2.000 Praxen beteiligten.

Die Ergebnisse der Befragung zeigten, dass die Digitalisierung in den Praxen schon weit vorangeschritten sei, resümierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Donnerstag bei der Vorstellung des PraxisBarometers. Das gelte vor allem für die Bereiche Praxisorganisation sowie Dokumentation, in denen die Ärzte tatsächlich die Digitalisierung am stärksten als Fortschritt wahrnehmen würden.

Skeptisch seien die Niedergelassenen vor allem hinsichtlich der Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis, sagte der KBV-Chef. Aus Befragungen wisse man, dass die Befürchtung, dass der menschliche Kontakt auf der Strecke bleiben könne, auch viele Patienten teilten. Wichtig sei deshalb, dass die durch die Digitalisierung von Prozessen eingesparte Zeit den Patienten zugutekomme, betonte Gassen und fügte hinzu: Schließlich gebe es den Begriff der „sprechenden Medizin“ nicht umsonst.

Praxen arbeiten zunehmend digital

Generell arbeiten Arztpraxen dem PraxisBarometer zufolge auf hohem Niveau zunehmend digital. So ist der Anteil der Praxen, die Patientendokumentation, Praxismanagement und Qualitätsmanagement nahezu komplett digitalisiert haben, gestiegen.

Der Befragung zufolge hat sich der Anteil der Praxen, die einen eher hohen Nutzen in digitalen Anwendungen sehen, im Vergleich zum Vorjahr von 13 auf 33 Prozent deutlich erhöht. 

Auch sind immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten bereit, in ihrer Patientendokumentation einheitliche Standards für Anamnese, Befunderhebung und Therapie zu nutzen, um so den Austausch von Daten zu beschleunigen und zu vereinfachen. Insgesamt stieg deren Anteil innerhalb eines Jahres von 37 auf 46 Prozent.

Kollegen-Kommunikation noch stark papiergebunden

Im Gegensatz dazu erfolgt die Kommunikation sowohl innerhalb des ambulanten Bereichs als auch zwischen den Sektoren, beispielsweise zwischen Praxen und Krankenhäusern, weiterhin weitgehend in Papierform (85 beziehungsweise 93 Prozent). Dabei erachten viele der Befragten gerade den digitalen Austausch mit niedergelassenen Kollegen als besonders vorteilhaft.

Insbesondere der elektronische Arztbrief wird von knapp 60 Prozent der Praxen als nutzbringendste Anwendung der externen Praxiskommunikation eingeschätzt. Dass er dennoch kaum verwendet wird, liegt nach Ansicht der KBV unter anderem in der vom Gesetzgeber geforderten qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Dies, so Gassen, sei umständlich und zeitaufwändig. Zudem bedürfe es dazu spezieller Technik, welche die meisten Praxen erst anschaffen müsste.

Das gleiche Problem bestünde bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die demnächst kommen soll, kritisierte Gassen und forderte, die QES nur dort vorzusehen, wo es unbedingt erforderlich sei, und das Prozedere als solches zu vereinfachen.

Ärzte fürchten nach wie vor Sicherheitslücken

Wie schon im Vorjahr habe die Befragung ergeben, dass die Ärzte sorgenvoll auf die Sicherheit der EDV-Systeme blickten, betonte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Rund 60 Prozent der Befragten – im Vorjahr waren es 54 Prozent – sehen mögliche Sicherheitslücken in der EDV als starkes Hemmnis für die weitere Digitalisierung ihrer Praxen.

Die KBV setze sich für eine sensible Gestaltung der Digitalisierung im Gesundheitswesen ein, hob Kriedel hervor. Es bedürfe sinnvoller politischer Regelungen. Kriedel verwies auf das Digitale-Versorgung-Gesetz, welches heute im Bundestag verabschiedet werden soll. Darin sei vorgesehen, dass die KBV die Möglichkeit zur Erstellung einer Richtlinie zur IT-Sicherheit erhalte. Diese solle Praxen dann Unterstützung und Sicherheit geben.

Umfangreichste Befragung zur Digitalisierung

Das PraxisBarometer Digitalisierung wurde erstmals 2018 und nunmehr zum zweiten Mal erhoben. Auftraggeber ist die KBV, die Durchführung und wissenschaftliche Qualitätssicherung oblag wiederum dem IGES Institut. An der Befragung haben mehr als 2.000 Praxen teilgenommen.

Damit stellt das PraxisBarometer die bislang umfassendste repräsentative, wissenschaftlich begleitete Befragung von Ärzten und Psychotherapeuten zum Stand der Digitalisierung dar. Die Erhebung soll regelmäßig wiederholt werden.