OcuNet: Veröffentlichung zu komplementärer Facharztschiene – Niederlassung trägt den Großteil der fachärztlichen Versorgung
Trotz langjähriger Diskussion um die komplementäre (oder doppelte) Facharztschiene wurde bislang wenig zu den beiden Strängen geforscht. In einer aktuellen Veröffentlichung in der Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“ werden die Versorgungsbeiträge der beiden Stränge der komplementären Facharztschiene quantifiziert. Dabei wird klar: Die fachärztliche Versorgung in der Niederlassung trägt den Großteil der Versorgung.
96 % der Standorte sind in der Niederlassung angesiedelt, 86 % aller ambulanten und stationären Fälle sowie 90 % aller ambulanten Fälle wurden von vertragsärztlichen Fachärztinnen und Fachärzten verantwortet. Etwas weniger als die Hälfte der Fachärztinnen und Fachärzte gehören zur ambulanten bzw. vertragsärztlichen Versorgung. Eine Zentralisierung in Krankenhäusern wäre ein massiver Eingriff in die existierenden Strukturen und Prozesse.
Die berufspolitische Diskussion kreist seit Jahren um die Strukturen der fachärztlichen Versorgung in Deutschland: Unter dem Begriff der komplementären bzw. doppelten Facharztschiene wird die parallele Vorhaltung von fachärztlichen Versorgungsressourcen in einem vertragsärztlichen und einem krankenhausgebundenen Strang verstanden. In der Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“ erscheint im März der Artikel "Doppelte Facharztschiene: Die Versorgungsbeiträge des vertragsärztlichen und des krankenhausgebundenen Strangs zu ausgewählten Parametern der fachärztlichen Versorgung". Berichtet werden die Ergebnisse einer Analyse auf Basis von Sekundärdaten aus dem Jahr 2022.
Zentralisierung der fachärztlichen Versorgung mit erheblichen Herausforderungen verbunden
Die Autoren Ursula Hahn (OcuNet Verbund), Joerg Koch (Augenzentrum am St. Franziskus Münster) und Ulrich Kellner (MVZ Augenärztliches Diagnostik- und Therapiecentrum Siegburg GmbH) stellen klar: Eine Zentralisierung der fachärztlichen Versorgung in Krankenhäusern – wie zuletzt wiederholt angedacht – wäre mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Außerdem ist die Rationale einer Zentralisierung nicht ausreichend begründet: Bislang fehlen einerseits Daten, die die Kritik an dem vertragsärztlichen Strang der doppelten Facharztschiene stützen, andererseits werden die Vorteile der komplementären Strukturen in der wissenschaftlichen Diskussion bislang kaum berücksichtigt.
Hahn U, Koch J, Kellner U. Doppelte Facharztschiene – Versorgungsbeiträge von vertragsärztlichem und krankenhausgebundenem Strang. Gesundheitswesen 2026; 88(03): 168-175. DOI: 10.1055/a-2557-5437. https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2557-5437