Universitätsklinikum Bonn: Neue Generation von Glaukomimplantaten im Einsatz

Als erste Augenklinik in Deutschland hat die Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) das PAUL- sowie das EyeWatch-Glaukomimplantat eingesetzt. Beide Drainagegeräte verbessern die Glaukombehandlung, indem sie den zu hohen Augeninnendruck reduzieren.

Dr. Karl Mercieca © Augenklinik / UK Bonn
Dr. Karl Mercieca © Augenklinik / UK Bonn

Das PAUL Glaukomimplantat (PGI) reguliert den Augeninnendruck (IOP) im Auge des Patienten über einen sehr feinen Silikonschlauch, der einen stärkeren Kammerwasserfluss ermöglicht. So wird ein weiteres Fortschreiten des Glaukoms verhindert. Insgesamt wurden bereits über zehn Patienten an der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn damit behandelt – unter der Federführung von Dr. Karl Mercieca. Der Glaukomexperte arbeitete zuvor fünf Jahre am renommierten Manchester Royal Eye Hospital und war einer der ersten Chirurgen in England, die das PGI implantierten. Er hat insgesamt über 100 Operationen dieser Art durchgeführt. Dr. Mercieca ist auch der leitende europäische Prüfarzt für die erste multizentrische Studie, die in Zusammenarbeit des Universitätsklinikums Bonn mit dem National Eye Institute in Singapur das PGI mit einem traditionell verwendeten Glaukom-Implantat vergleicht. 

Einsetzen des PAUL Glaukomimplantats (PGI). Foto © Dr. Karl Mercieca

Funktioniert wie ein einstellbarer Schalter

Bei dem zweiten Implantat handelt es sich um das EyeWatch-System, das weltweit erste einstellbare System zur Behandlung des Glaukoms. Es funktioniert als nicht-invasiv regelbarer Schalter. Das EyeWatch-Implantat ist dabei das Herzstück. Durch selektives Komprimieren des Drainageschlauchs mittels einer drehbaren Magnetscheibe kann der Flüssigkeitswiderstand angepasst werden, um den Augeninnendruck im optimalen Bereich zu halten. Der EyeWatch-Stift ist die Steuereinheit des Systems, die mit wenigen Handgriffen eine funktionale Positionsmessung und Adjustierung ermöglicht. 

Dr. Mercieca hat zuvor mit dem Begründer von EyeWatch, Prof. André Mermoud aus Lausanne, zusammengearbeitet und arbeitet mit dem Glaukom-Experten derzeit bei verschiedenen Forschungsprojekten zusammen. Das Universitätsklinikum Bonn ist aktuell ein Referenzzentrum für das EyeWatch-Gerät, das momentan nur in wenigen spezialisierten Zentren weltweit angeboten wird. 

Welche Patienten profitieren von den neuartigen Drainagen? 

Sowohl das PGI- als auch das EyeWatch-System eigen sich für Patienten mit einem medikamentös nicht kontrollierbaren oder komplexen Glaukom – wie etwa dem neovaskulären und Aphakie-Glaukom – sowie für Patienten mit fehlgeschlagener konventioneller Operation, angeborenem Glaukom und sekundärem Glaukom aufgrund von Uveitis oder ICE-Syndrom. 

„Es ist uns wichtig, Betroffenen alternative chirurgische Optionen anbieten zu können, insbesondere bei komplexen Ausgangslagen, bei denen die Balance zwischen Sicherheit und Wirksamkeit noch entscheidender ist“, sagt Dr. Mercieca. „Der PGI ermöglicht mit seinem kleineren Durchmesser und seinem innovativen Design eine Drainage bereits vom ersten Tag an, ohne das Risiko eines zu niedrigen Augeninnendrucks. Langfristig sollte es zu geringeren Endothelzellverlusten in der innersten Schicht der Hornhaut führen, einer von allen Glaukomchirurgen gefürchteten Komplikation. Das EyeWatch-System ist das ultimative neue Design, das eine noch feinere Kontrolle des Augeninnendrucks bei sehr komplexen Fällen ermöglicht, bei denen der Druck in den ersten Wochen nach der Operation typischerweise in beide Richtungen schwankt.“

Quelle: UKB