Sehverlust durch Netzhauterkrankung AMD - Intelligente Hilfsmittel erhalten die Selbständigkeit

Berlin, 06. August 2019 – Um das Sehvermögen möglichst lange zu erhalten, müssen Betroffene und Angehörige auf die ersten Anzeichen von altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) achten. Für den richtigen Umgang mit der Netzhauterkrankung ist eine genaue Diagnosestellung mit früher, differenzierter Bildgebung erforderlich. Hilfsmittel wie Kaltlichtlampen und Vorlese-Apps sowie Wohnungsanpassungen helfen, die Selbständigkeit im Alltag zu erhalten. Welche Lebensstil-Maßnahmen darüber hinaus wirkungsvoll sind, erläutern Experten auf der heutigen Pressekonferenz der PRO RETINA Deutschland e.V. An AMD sind vier bis fünf Millionen Menschen in Deutschland erkrankt.

 

Für den Umgang mit und die Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist eine frühe Diagnosestellung entscheidend. „Es ist für die Früherkennung ganz wichtig, die ersten Symptome wahrzunehmen, um zu wissen, dass man den Augenarzt aufsuchen
muss“, erklärt Professor Dr. med. Sabine Aisenbrey, Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde am Vivantes-Klinikum Neukölln. „Klassische Anzeichen sind verzerrt erscheinende Linien an Kacheln, Gittern, kariertem Papier, Kreuzworträtseln oder Noten“, erläutert die Berliner Augenexpertin. „Oft nehmen Betroffene auch als erstes einen grauen Fleck unterschiedlicher Ausprägung wahr, der immer dort erscheint, wohin sie blicken.“


Für die trockene Form der Netzhauterkrankung AMD gibt es bisher keine zugelassene wirksame medizinische Behandlung. „Aber wir können über eine mehrstufige Diagnostik die Risiken und den Krankheitsverlauf gut einschätzen“, so Aisenbrey. „Am Anfang steht die Bildgebung mit der Optischen Kohärenztomographie und, wenn sinnvoll, der Fluoreszenzangiographie.“ Diese Untersuchungen werden bei Bedarf ergänzt durch die OCT-Angiographie und weiterführende Tests zur visuellen Funktion, zum Beispiel der Ermittlung der Lesegeschwindigkeit oder der Fähigkeit, ein Objekt zu fixieren.
„Die Patienten selbst können im gewissen Maße durch ihren Lebensstil dazu beitragen, den Krankheitsverlauf aufzuhalten, zum Beispiel durch eine Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren“, so Aisenbrey. Ziel ist, Zeit zu gewinnen, das Sehvermögen möglichst lange zu erhalten und vor allem ein Umschlagen von der trockenen in die aggressivere feuchte Form der AMD zu verhindern. „Auch hier sind wieder Patienten und Angehörige gefragt, auf Verschlechterungen zu achten und in einem solchen Fall sofort wieder den Augenarzt aufzusuchen“, betont die Augenärztin. Für die Behandlung der feuchten AMD stehen Medikamente zur Verfügung, die ins Auge injiziert werden. „Je früher diese Behandlung stattfindet, desto eher können wir Verbesserungen erzielen und
beibehalten“, so Aisenbrey. Schreitet der Sehverlust an der schärfsten Stelle des Sehens, der Makula, fort, können Betroffene auf eine Vielzahl intelligenter Hilfsmittel zurückgreifen, um den Alltag weiterhin sicher und selbständig zu bewältigen. „Die Spanne reicht von Silikon-Klebepunkten an Herd oder Waschmaschine über kleine handtaschenkompatible Monokulare, die Straßenschilder oder Fahrpläne vergrößern, bis hin zu Vorlese-Apps, sprechenden Stiften und Navigations-Apps für blinde Menschen“, berichtet Franz Badura, Vorsitzender der Selbsthilfevereinigung PRO RETINA Deutschland e.V.

So erleichtern Taschenlupen den Einkauf, das Tropfen von Medikamenten in leere Joghurtbecher die korrekte Dosierung der Arznei und weiße Teller auf orangefarbenen Tischdecken die Orientierung beim Essen. Es gibt Bücher in Großdruck, Spiele und Spielkarten in XXL-Formaten. „Auch Kaltlichtlampen, die nicht heiß werden und daher ah am Kopf positioniert werden können, unterstützen die Lektüre“, erläutert Badura. Kontrastreiche Markierungen an Stufen oder Treppen schützen vor Stürzen, Tandem-Fahrräder ermöglichen Mobilität und körperliche Aktivität. „Im Übrigen stehen Sehbehinderten rechtliche und finanzielle Hilfen zu, darunter die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs“, betont Badura. Informationen gibt es bei PRO RETINA. Derweil wird intensiv an neuen Behandlungsmethoden für die AMD geforscht. „Wir hoffen, durch Kombinationen von Wirkstoffen eine längere Wirkung der Medikamente zu erzielen“, berichtet Sabine Aisenbrey. „Jedes Jahr ohne Sehverschlechterung bei AMD ist ein gewonnenes“, meint die Berliner Augenärztin.

 

Ansprechpartnerinnen zur Pressekonferenz:
Dagmar Arnold, Kerstin Ullrich und Heinke Schöffmann
Postfach 30 11 20 | 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-380/-641 und -442
Fax. 0711 89 31 167

Ansprechpartnerin PRO RETINA Deutschland e.V.
Ines Nowack
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0228 227 217-24
E-Mail: presse@pro-retina.de

www.pro-retina.de

 

 

 

 


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