Neue Möglichkeiten gegen Alterssichtigkeit: Was bringen Augentropfen & Co?
Die Presbyopie setzt meist ab dem 40. Lebensjahr ein, ein refraktiver Linsenaustausch ist jedoch oft erst nach abgeschlossener hinterer Glaskörperabhebung ratsam. Prof. Dr. Gerd-Uwe Auffarth, Ärztlicher Direktor der Universitätsaugenklinik Heidelberg, stellt Laserverfahren, Pilocarpin-Augentropfen und neue Ansätze zum Lens-Softening vor und erklärt, was sie leisten können und wo ihre Grenzen liegen.
Im Laufe des Lebens verändert sich unser Sehen - bekannt ist insbesondere die Presbyopie, die häufig schon ab dem vierzigsten Lebensjahr oder Mitte Vierzig einsetzt. Hierbei kommt es dazu, dass die eigene Augenlinse steifer wird und nicht mehr so flexibel ist, sich auf die Nähe einzustellen. In der Folge müssen die Patienten, wenn sie lesen wollen, das Buch immer weiter weghalten bzw. irgendwann ist in jedem Zimmer der Wohnung eine Lesebrille, die beim Discounter gekauft wurde, zu finden.
Diese Situation verschärft sich bis etwa Mitte Fünfzig, wo dann mehr oder weniger der finale Nahbedarf von 3dpt erreicht ist. Dies ist ein großes Problem und viele Leute leiden darunter und suchen den Augenarzt auf, um eine Lösung zu finden.
Da das Problem letztendlich in der Augenlinse entsteht, werden hier routinemäßig Augenoperationen angeboten, bei der die Augenlinse entfernt wird und eine Linse eingesetzt wird, die Ferne und Nähe abbilden kann. Dies sind die sogenannten Trifokokallinsen, die im Fern-, Intermediär- und Nahereich eine gute Abbildungsqualität haben oder die sogenannte Tiefenschärfenlinsen, die insbesondere in der Ferne und Intermediärbereich und zum Teil auch in der Nähe gute Abbildungseigenschaften haben. Vorteil dieser Intraokularlinsen und dieses Eingriffs ist die Brillenunabhängigkeit, Nachteil ist, dass unter Umständen eine gewisse Kontrastschwäche entstehen kann oder eine Blendungsempfindlichkeit, die die Sehqualität auch einschränken könnte.
Grundsätzlich ist jedoch ein weiteres Problem hier zu sehen: eine solche Operation ist erst dann zu empfehlen, wenn eine sogenannte hintere Glaskörperabhebung abgeschlossen ist. Wird vorher ein Eingriff durchgeführt, ist insbesondere bei Patienten mit Kurzsichtigkeit mit Netzhautablösungen und anderen Problemen zu rechnen, so dass generell die Empfehlungen sind, solche Eingriffe erst mit Fünfzig oder Mitte Fünfzig durchzuführen.
Was kann man in dem Alterszeitraum von dem vierzigsten bis zum fünfzigsten Lebensjahr machen? Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die leider nur eingeschränkt die Alterssichtigkeit komplett kompensieren können. Es werden verschiedene Hornhaut-basierte Verfahren angeboten, wie spezielle Laserverfahren. Man spricht hier von entw. Monovisiontechniken oder sogenannten Blended-Vision-Techniken, bei der ein Auge für die Ferne und den Zwischenbereich und ein Auge für den Zwischen- und Nahbereich gelasert wird. Diese Operationen sind technisch gut durchzuführen, aber nicht für jeden Patienten unter Umständen geeignet. Auch ist die Rekonvaleszenz hier teilweise deutlich verlängert gegenüber zum Beispiel eines einfachen Linseneingriffes.
Pinholeffekt kann Tiefenschärfe erzeugen
Eine weitere Möglichkeit ist es Augentropfen zu geben, die die Lesefähigkeit steigern können. Dies ist tatsächlich möglich und basiert häufig auf Augentropfen, die eigentlich nur die Pupille verengen. Mit diesem sogenannten Pinholeffekt kann eine Tiefenschärfe erzeugt werden, teilweise können diese Augentropfen auch noch eine Restakkommodation der Augenlinse beeinflussen. Meistens sind sie basierend auf dem Wirkstoff Pilocarpin, der in unterschiedlichen Konzentrationen angeboten werden kann. Hier gibt es bereits 4 Produkte, die in den USA von der FDA zugelassen sind. Es handelt sich um Augentropfen, die man entweder regelmäßig morgens und abends nimmt, und die mit der Zeit dann dazu führen, dass man einen etwas länger anhaltenden Effekt hat, um in der Nähe und in der Ferne ganz gut sehen zu können. Es gibt auch andere Tropfen, die man quasi 2, 3 Stunden, bevor man brillenunabhängig sein möchte, einträufelt, z.B. bevor man abends essen geht, so dass man dann zu einer entsprechenden Uhrzeit relativ gut in der Nähe schauen kann.
Nachteile der Pupillenverengung sind zum einen, dass man einen gewissen Lichtverlust hat, d.h. das Sehen abends ist eingeschränkt, die Orientierung kann eingeschränkt sein. Ein anderer Nachteil der Tropfen liegt in der Wirkung selbst, sie können dazu führen, dass die Augen gerötet sind, dass man Schmerzen hat und weitere Folgen sind theoretisch noch möglich. Grundsätzlich ist dies sicherlich die harmloseste Zwischenmethode, bis ein richtiger Linseneingriff oder Ähnliches durchgeführt werden kann, so dass es immer mehr an Popularität gewinnt, solche Tropfen auszuprobieren.
Neue Studien versuchen auch Tropfen zu entwickeln die ein sogenanntes Lens-Softening erreichen. Hierbei soll die steif gewordene Linse so weit aufgeweicht werden, dass sie wieder akkommodationsfähig ist. Leider sind die bisherigen Studien nicht so erfolgsversprechend, dass es schon ein Produkt gibt. Die meisten Produkte, die jetzt erhältlich sind, basieren wie gesagt auf einer Pupillenveränderung, teilweise kombiniert mit anderen Stoffen, die eine Verlängerung des Effekts eventuell noch unterstützen.
Ein Statement von Professor Dr. med. Gerd-Uwe Auffarth, Ärztlicher Direktor der Universitätsaugenklinik Heidelberg, anlässlich des DOG-Kongresses in Berlin.