Förderung für LMU-Forschung zu Progressiver Supranukleärer Blickparese

Ein interdisziplinäres Projekt erhält rund 500.000 US-Dollar für die Weiterentwicklung neuer Biomarker zur besseren Erfassung der seltenen Nervenkrankheit. PSP-Betroffene bemerken eine Einschränkung ihrer Augenbewegungen und klagen häufig über Sehschwäche oder Doppelbilder. Aus diesem Grund wird zu Beginn der Erkrankung häufig ein Augenarzt aufgesucht.

© Robina Weermeijer / unsplash
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Ein interdisziplinäres Forschungsteam der LMU unter Leitung von Günter Höglinger, Professor für Neurologie und Direktor der Neurologischen Klinik am LMU Klinikum, erhält einen CurePSP Biomarker Accelerator Award in Höhe von rund 500.000 US-Dollar. In dem dreijährigen Projekt sollen neue Biomarker für die Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP) weiterentwickelt und validiert werden. Ziel ist es, die Erkrankung künftig biologisch präziser zu erfassen und neue Möglichkeiten für Diagnostik und klinische Studien zu schaffen.

PSP ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung aus der Gruppe der atypischen Parkinson-Syndrome. Insbesondere in frühen Krankheitsstadien kann die Diagnose schwierig sein, da sich Symptome mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen überschneiden.

In der augenärztlichen Praxis kann sich die PSP zunächst durch unspezifische visuelle Beschwerden wie Leseschwierigkeiten, verschwommenes Sehen oder Doppelbilder bemerkbar machen. Ein wichtiger ophthalmologischer Hinweis sind verlangsamte vertikale Sakkaden, die insbesondere beim Blick nach unten auffallen können. Auch ein auffallend starrer Blick mit reduzierter spontaner Blinzelfrequenz kann auf eine PSP hindeuten. Besonders verdächtig ist die Kombination solcher Augenbewegungsstörungen mit einer früh einsetzenden posturalen Instabilität und wiederholten Stürzen, häufig nach hinten.

Bislang steht kein definitiver diagnostischer Biomarker für PSP zur Verfügung. Dies erschwert sowohl die frühe diagnostische Einordnung als auch die gezielte Auswahl biologisch möglichst einheitlicher Patientengruppen für Therapiestudien.

Molekulare Biomarker und PET-Bildgebung machen Veränderungen im Gehirn sichtbar

Das geförderte Projekt kombiniert molekulare Biomarker aus Blut und Nervenwasser mit hochspezialisierter PET-Bildgebung. Im Mittelpunkt stehen sogenannte extrazelluläre Vesikel (EVs) – kleine, von Zellen freigesetzte Partikel, die Eiweiße und RNA und DNA transportieren. Mithilfe an der LMU etablierter Verfahren können EV-Populationen untersucht werden, die mit unterschiedlichen Zelltypen des Nervensystems assoziiert sind. Ihre molekulare Zusammensetzung soll Hinweise auf krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn liefern.

Diese molekularen Signaturen werden auf Ebene einzelner Patientinnen und Patienten mit PET-Verfahren verglichen, die unterschiedliche Aspekte der Krankheitsbiologie erfassen. Untersucht werden soll insbesondere, ob sich Informationen aus der spezialisierten Bildgebung in robusten und leichter zugänglichen Biomarkern aus Blut oder Liquor widerspiegeln. Vielversprechende Biomarker-Signaturen sollen anschließend in einer unabhängigen Patientenkohorte validiert werden.

Diagnose und Verlauf von PSP präziser erfassen

Langfristig könnte ein solcher multimodaler Biomarker-Ansatz dazu beitragen, PSP biologisch präziser zu diagnostizieren, Patientinnen und Patienten für klinische Studien besser zu stratifizieren und möglicherweise auch Krankheitsverlauf oder Therapieeffekte objektiver zu erfassen. Das Projekt baut dabei auf bereits vorhandenen Patientenkohorten, Bioproben, PET-Daten und umfangreichen methodischen Vorarbeiten auf.

Das Projekt vereint Expertise aus Neurologie, Nuklearmedizin, Bildanalyse, extrazellulärer Vesikelbiologie, Omics-Technologien und Bioinformatik. Beteiligt sind neben Günter Höglinger, Professorin Franziska Hopfner, Dr. Carla Palleis und Dr. Alexander Bernhardt aus der Klinik für Neurologie, Professor Matthias Brendel aus der Nuklearmedizin, Professor Nicolai Franzmeier vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) sowie Dr. Mojtaba Nemati und Dr. Marcel Bayer im Bereich EV-Methodik, Omics und Bioinformatik.

Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)