Wegbereiter der modernen Netzhautmedizin: DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG) hat Professor Alan C. Bird, London, mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der DOG wird nur alle zehn Jahre vergeben und würdigt außerordentliche Verdienste um die Augenheilkunde.

Wegbereiter der modernen Netzhautmedizin: DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Alan Bird prägte das Verständnis erblicher Netzhautdystrophien und der altersabhängigen Makuladegeneration, trug zur Bekämpfung der Flussblindheit in Afrika bei und etablierte am Londoner Moorfields Eye Hospital eines der weltweit führenden Retina-Zentren. Seine Arbeiten legten wichtige Grundlagen für heutige Gentherapien bei Netzhauterkrankungen. Bird nahm die Albrecht-von-Graefe-Medaille auf der DOG 2026 entgegen.

Professor Alan Charles Bird, MD, gilt als einer der einflussreichsten Netzhautspezialisten des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. „Mit Alan Bird ehren wir einen der großen Pioniere der medizinischen Retinaforschung und Wegbereiter der modernen Netzhautmedizin“, erklärte DOG-Präsident Professor Dr. med. Lars-Olof Hattenbach anlässlich der Preisverleihung. „Seine Arbeiten zu retinalen Dystrophien, altersabhängiger Makuladegeneration, Fundusautofluoreszenz und Makulärer Teleangiektasie Typ 2 haben unser Verständnis der Netzhauterkrankungen nachhaltig verändert.“

 Kampf gegen Flussblindheit

So schufen Birds Arbeiten zu Retinitis pigmentosa, Morbus Stargardt und Makuladystrophien wichtige Voraussetzungen für die genetische Diagnostik und spätere gentherapeutische Ansätze. Bird gehörte auch zu den Forschern, die die Mechanismen der altersabhängigen Makuladegeneration systematisch untersuchten; seine Arbeiten verbesserten das Verständnis der Veränderungen an retinalem Pigmentepithel, Bruch-Membran und Photorezeptoren. Internationale Bedeutung erlangte Bird außerdem durch seine Forschung zur Flussblindheit in Afrika, die zur Einführung von Ivermectin als Standardtherapie beitrug und weltweit Millionen Menschen zugute kam, sowie durch seine Langzeitstudien zur Sichelzell-Retinopathie in Jamaika.

Wegbereiter für MacTel-Therapien

In der Albrecht-von-Graefe-Gedenkvorlesung, die sich der Preisverleihung anschloss, sprach der britische Ophthalmologe über die Makuläre Teleangiektasie Typ 2 (MacTel) – eines der Krankheitsbilder, mit denen Alan Bird besonders eng auch im Rahmen eines internationalen Konsortiums mit einem multidisziplinären Team verbunden ist. Birds Forschungen zeigten, dass es sich nicht primär um eine Gefäßerkrankung der Netzhaut, sondern um eine komplexe neurodegenerative und metabolische Erkrankung der Makula handelt. Diese Erkenntnisse schufen die Basis für die Entwicklung einer erstmalig wirksamen Therapie, die den Verlust von Photorezeptoren verlangsamen kann.

Aufbau wissenschaftlicher Exzellenz in London

Nach seinem Medizinstudium an der Guy’s Hospital Medical School in London begann Alan Bird 1962 seine Ausbildung zum Augenarzt am St. Bartholomew’s Hospital. Im Jahr 1965 trat er in London eine Anstellung am Moorfields Eye Hospital an. Von 1976 bis 2006 war er Professor für Klinische Ophthalmologie am Institute of Ophthalmology des University College London und zugleich Consultant am Moorfields Eye Hospital. Dort baute Bird seine Abteilung zu einer der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Retina aus. Der emeritierte Ophthalmologe ist weiterhin als ehrenamtlicher Facharzt am Moorfields Eye Hospital tätig.

 Hervorragender Redner und Lehrer

Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen war Bird ein außergewöhnlich einflussreicher Lehrer. Zahlreiche später international bekannte Ophthalmologen wurden am Moorfields Eye Hospital von ihm ausgebildet. Sein Einfluss auf die moderne Netzhautheilkunde geht daher weit über seine eigenen Publikationen hinaus. „Er ist ein begnadeter Redner und Mentor, der viele junge Augenärzte aus aller Welt ausgebildet hat“, sagte der Bonner Netzhautspezialist Professor Dr. med. Frank Holz, der selbst ein 2-jähriges Fellowship bei Alan Bird absolviert hat, in der Laudatio.

Prestigeträchtige Auszeichnung

Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.