AMD-Forschung: Universität Tübingen koordiniert prestigeträchtiges EU-Doktorandennetzwerk

Die Universität Tübingen hat im Rahmen des Förderprogramms Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) Doctoral Networks der Europäischen Union mehr als 4 Millionen Euro für das neue internationale Forschungs- und Ausbildungsnetzwerk PANDORA (Pathomechanisms and Novel Drug Optimization for Age-related Macular Degeneration) eingeworben.

(v.l.n.r.): Sigrid Diether, Angela Armento, Ellen Kilger. Bild: Universität Tübingen
(v.l.n.r.): Sigrid Diether, Angela Armento, Ellen Kilger. Bild: Universität Tübingen

Das Projekt wurde im Rahmen eines der renommiertesten und wettbewerbsintensivsten europäischen Förderprogramme für die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden sowie für kollaborative Forschung ausgewählt. Die Förderung würdigt die wissenschaftliche Exzellenz des Konsortiums sowie die Qualität des ambitionierten Forschungs- und Ausbildungsprogramms.

Unter der Koordination des Forschungsinstituts für Augenheilkunde der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Tübingen vereint PANDORA acht akademische Einrichtungen, drei Industriepartner und zwei gemeinnützige Organisationen aus ganz Europa. In den kommenden vier Jahren wird das Konsortium die molekularen Mechanismen untersuchen, die der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zugrunde liegen, innovative Therapieansätze entwickeln und 13 Doktorandinnen und Doktoranden zu Nachwuchskräften der translationalen biomedizinischen Forschung ausbilden.

Eine der großen Erkrankungen einer alternden Gesellschaft bekämpfen

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für einen irreversiblen Sehverlust bei älteren Menschen in Industrieländern. Weltweit sind rund 200 Millionen Menschen betroffen. AMD stellt damit eineder großen gesundheitlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung dar. Der fortschreitende Verlust des zentralen Sehens schränkt die Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein und stellt gleichzeitig eine zunehmende Belastung für die Gesundheitssysteme dar.

Obwohl bedeutende Fortschritte beim Verständnis der Erkrankung erzielt wurden, sind wirksame Behandlungsmöglichkeiten insbesondere für die häufigsten Formen der AMD weiterhin begrenzt. PANDORA verfolgt das Ziel, diese medizinische Versorgungslücke zu schließen, indem das Komplementsystem untersucht wird – ein zentraler Bestandteil des angeborenen Immunsystems, der zunehmend als wesentlicher Faktor für das Fortschreiten der Erkrankung anerkannt wird.

Stammzellverfahren, Multi-Omics-Analysen, Gentherapie

Mithilfe modernster Technologien – darunter Stammzellverfahren, Multi-Omics-Analysen, fortschrittliche Bildgebung, computergestützte Modellierung, Gentherapie und innovative Wirkstofftransportsysteme – wird das Konsortium neue Krankheitsmechanismen identifizieren, Biomarker entdecken und wirksamere therapeutische Strategien entwickeln.

Über die Augenheilkunde hinaus könnten die Ergebnisse des Projekts auch zum besseren Verständnis anderer Erkrankungen beitragen, bei denen eine Fehlregulation des Komplementsystems eine wichtige Rolle spielt. Dazu gehören unter anderem neurodegenerative Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Gefäßerkrankungen, Sepsis und Krebs.

Investition in Europas zukünftige wissenschaftliche Führungskräfte

Ein zentrales Ziel von PANDORA ist die Ausbildung und Qualifizierung von 13 Doktorandinnen und Doktoranden in einem multidisziplinären, internationalen und sektorübergreifenden Umfeld. Das Programm verbindet Expertise aus verschiedenen Bereichen wie Genetik, Pharmakologie, Computational Biology, Stammzelltechnologien und Translationale Medizin, und bereitet junge Forschende auf Karrieren in Wissenschaft, Industrie und Biotechnologie vor.

Durch die Verbindung akademischer Forschung mit industrieller Innovation und internationaler Zusammenarbeit trägt PANDORA dazu bei, Europas führendeRolle in der translationalen biomedizinischen Forschung und Innovation weiter zu stärken.

Frauen an der Spitze europäischer Forschung

PANDORA wird an der Universität Tübingen von einem ausschließlich weiblich besetzten Leitungsteam des Forschungsinstituts für Augenheilkunde in Tübingen koordiniert.

Die wissenschaftliche Koordination übernimmt Dr. Angela Armento, während Dr. Sigrid Diether und Dr. Ellen Kilger für Projektmanagement und Doktorandenausbildung verantwortlich sind.

Prof. Marius Ueffing, Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde und Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät in Tübingen, würdigt sowohl den wissenschaftlichen Erfolg als auch die Leitung des Projekts: „Ich freue mich besonders darüber, dass dieses ambitionierte europäische Konsortium von einem herausragenden Team aus Wissenschaftlerinnen und Forschungsmanagerinnen koordiniert wird. Hier haben Expertise, Engagement und die Fähigkeit im Team zusammenzuarbeiten zum Erfolg geführt.“

Dr. Angela Armento, wissenschaftliche Koordinatorin von PANDORA, betont die übergeordnete Vision des Projekts: „Die Förderung im Rahmen des Marie-Skłodowska-Curie-Doctoral-Networks- Programms ist eine bedeutende Anerkennung der wissenschaftlichen Exzellenz unseres Konsortiums und des innovativen Forschungsprogramms, das wir gemeinsam entwickelt haben. PANDORA verbindet interdisziplinäre Spitzenforschung mit einer anspruchsvollen Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Unser Ziel ist es, die Rolle des Komplementsystems bei der altersbedingten Makuladegeneration besser zu verstehen und dieses Wissen in neue therapeutische Strategien zu überführen, die langfristig den Patientinnen und Patienten zugutekommen. Wir freuen uns sehr, dieses europäische Doktorandennetzwerk koordinieren zu dürfen, und ich möchte meinen Co-Koordinatorinnen sowie allen Partnerinstitutionen herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit und das große Engagement bei der gemeinsamen Antragstellung danken.“

Die Leitung von PANDORA spiegelt das Engagement der Universität Tübingen für wissenschaftliche Exzellenz, internationale Zusammenarbeit und Chancengleichheit in der Forschung wider und unterstreicht zugleich denwachsenden Beitrag von Frauen bei der Koordination bedeutender europäischer Forschungsinitiativen.

Über PANDORA

PANDORA (Pathomechanisms and Novel Drug Optimization for Age-related Macular Degeneration) ist ein durch die Europäische Union gefördertes Marie Skłodowska-Curie Actions Doktorandennetzwerk mit einer Förderung von mehr als 4 Millionen Euro. Das Konsortium vereint acht akademische Einrichtungen, drei Industriepartner und zwei gemeinnützige Organisationen, um durch das Komplementsystem vermittelte Mechanismen bei der altersbedingten Makuladegeneration zu untersuchen, innovative Therapieansätze zu entwickeln und die nächste Generation translationaler Sehforschender auszubilden.

Projektkoordination:

Universität Tübingen, Forschungsinstitut für Augenheilkunde

Wissenschaftliche Koordination:

Dr. Angela Armento

Projektmanagement und Ausbildungskoordination:

Dr. Sigrid Diether und Dr. Ellen Kilger

Quelle: Universität Tübingen

Ein Fachgespräch mit Prof. Marius Ueffing zum Thema "Forschungsprojekte zur Diagnostik und Therapie degenerativer Netzhauterkrankungen" sehen Sie hier: