Neue Studie: Kombinationstherapie verlangsamt Myopieprogression
Eine aktuelle Studie zeigt: Die Kombination aus niedrig dosiertem Atropin und DIMS-Brillengläsern hemmt das Achsenwachstum des Auges deutlich effektiver als Atropin mit Einstärkengläsern – und liefert neue Evidenz für kombinierte Therapieansätze in der Myopiekontrolle bei Kindern.
Die Kombination zweier etablierter Therapieansätze zur Myopiekontrolle erzielt bei Kindern signifikant bessere Ergebnisse als die jeweilige Einzeltherapie. Das zeigt eine randomisierte kontrollierte Studie von Dr. Noemí Güemes-Villaho, Hospital Clínico Universitario San Carlos in Madrid, die im British Journal of Ophthalmology veröffentlicht wurde.
An der Studie nahmen 102 Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren mit moderater Myopie (−1,00 D bis −6,00 D) teil. Sie wurden randomisiert zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt 0,025-prozentiges Atropin in Kombination mit Einstärkengläsern, die andere dieselben Tropfen zusammen mit sogenannten DIMS-Gläsern (Defocus Incorporated Multiple Segments). Nach zwölf Monaten wurde die Achslängenentwicklung als primärer Endpunkt ausgewertet.
Die Ergebnisse sind eindeutig: In der Kombinationsgruppe mit DIMS-Gläsern betrug das mittlere Achslängenwachstum lediglich 0,07 mm, verglichen mit 0,18 mm in der Kontrollgruppe – ein statistisch signifikanter Unterschied. Besonders bemerkenswert: Bei fast 40 Prozent der Kinder mit Kombinationstherapie war im Beobachtungszeitraum keinerlei Achsenlängenzunahme messbar, gegenüber nur rund 12 Prozent in der Vergleichsgruppe. Hinsichtlich der sphärischen Äquivalentrefraktion zeigte sich ein Trend zugunsten der Kombinationstherapie, der jedoch statistisches Signifikanzniveau verfehlte.
Die Arbeit ist nach Angaben der Autorinnen und Autoren die weltweit erste randomisierte kontrollierte Studie, die den kombinierten Einsatz von Atropin und DIMS-Gläsern untersucht. Frühere retrospektive und nicht randomisierte Arbeiten hatten zwar bereits auf einen additiven Effekt beider Therapiemodalitäten hingedeutet, konnten dies aber methodisch nicht belegen. Positiv hervorzuheben ist zudem die ethnische Diversität des Studienkollektivs: Die Kombinationstherapie erwies sich unabhängig von der Ethnizität der Kinder als wirksam.
Die vorliegenden Daten umfassen den 12-Monats-Zeitpunkt einer auf 24 Monate angelegten Studie. Längerfristige Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit stehen noch aus. Die Ergebnisse unterstützen dennoch bereits jetzt den Einsatz einer Kombinationstherapie als vielversprechenden Ansatz im klinischen Management der Myopie im Kindesalter.