DGII-Kongress 2026: Prof. Claus Cursiefen über „KATARAKTplus“, Innovationen und Nachwuchsförderung
Im Vorfeld des 40. DGII-Kongresses in Köln gibt Kongresspräsident Prof. Claus Cursiefen Einblicke in Programm und Schwerpunkte – von der Kataraktchirurgie im Kontext anderer Augenerkrankungen über Optimierungspotenziale der Katarakt-OP bis hin zu KI, Robotik und gezielter Förderung des ophthalmochirurgischen Nachwuchses.
Die Deutschsprachige Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie feiert 2026 ihr 40-jähriges Jubiläum. Wie hat sich die DGII seit ihrer Gründung weiterentwickelt?
Meiner Einschätzung nach hat sich die DGII seit ihrer Gründung sehr gut entwickelt und stellt inzwischen eine international sichtbare und renommierte Fachgesellschaft dar. Anlässlich des 40jährigen Jubiläums, das wir auf der diesjährigen Tagung in Köln ja feiern, wird Roland Gerste einen Blick zurück und auch in die Zukunft geben, um das dann auch noch mal besser einordnen zu können.
Das Motto des diesjährigen DGII-Kongresses in Köln lautet „KATARAKTplus“. Weshalb haben Sie sich für dieses Motto entschieden und wie prägt es das Programm?
Das Motto „KATARAKTplus“ meint, dass wir bei der diesjährigen Tagung einen Fokus auf Kataraktchirurgie im Kontext anderer ophthalmochirurgischer Eingriffe legen wollen. Das Motto entspringt der Aufstellung der Kölner Universitätsaugenklinik, die als sehr breit aufgestelltes Zentrum der Maximalversorgung Kataraktoperationen vor allen Dingen im Kontext anderer Augenerkrankungen behandelt, sei es im Rahmen von Glaukomerkrankung, Hornhauterkrankung oder im Rahmen von vitreoretinalchirurgischen Eingriffen. Deshalb wird es drei Symposien zum Thema Katarakt plus geben, jeweils im Kontext von Hornhautchirurgie, Glaukomchirurgie und vitreoretinaler Chirurgie.
Die Katarakt-Operation ist weltweit der häufigste chirurgische Eingriff. Welche aktuellen Entwicklungen haben Ihrer Einschätzung nach das größte Potenzial, die OP-Ergebnisse weiter zu optimieren?
Die Kataraktchirurgie ist sowohl im Ultraschallmodus als auch im Femtosekundenlasermodus dank der Entwicklung der letzten Jahre auf einem extrem hohen Niveau angekommen, was die Ergebnisse, die Sicherheit und die Durchführbarkeit angeht. Verbesserungspotential in den nächsten Jahren gibt es sicherlich im Bereich weiter optimierter Linsendesigns auch in Richtung Multifokalität. Bei den torischen Linsen gibt es sicherlich noch Verbesserungsmöglichkeiten, was die Platzierung der Linsen angeht. Allgemein gibt es m.E. noch Verbesserungsbedarf, was die schlussendliche IOL-Position im Auge nach Kataraktchirurgie und das damit einhergehende Refraktionsergebnis angeht.
Eine der wissenschaftlichen Sitzungen widmet die dem Thema „Kindliche Katarakt“. Warum richtet der Kongress einen besonderen Fokus auf dieses Thema und welche Aspekte werden dabei genauer betrachtet?
Kindliche Katarakte sind eine der besonders wichtigen Formen der Kataraktchirurgie, da sie im Amblyopiealter durchgeführt werden und damit lebenslange funktionelle Konsequenzen haben. Des Weiteren ist die Operation im kindlichen Auge ungleich komplexer, als beim Erwachsenen. Ein wichtiges Ziel dieses Symposiums ist die „Awareness“ für die Fallstricke der Kataraktchirurgie im Kindesalter zu erhöhen. Grundsätzlich macht es darüber hinaus aber Sinn, kindliche Kataraktoperationen in Zentren mit spezieller Expertise, auch was die Nachsorge mit Brillen- und Kontaktlinsenversorgung und die Amblyopieprophylaxe angeht, zu bündeln.
Sie zählen zu den führenden Experten im Bereich Hornhauttransplantation. Welche Aspekte werden bei diesem Thema bzw. beim Thema Cornea werden auf dem Kongress behandelt?
In der Tat ist die Kölner Uniaugenklinik die Klinik mit den meisten Hornhauttransplantationen in Deutschland, im letzten Jahr waren es etwa 1.200 Transplantationen und damit mehr als 10 % aller in Deutschland durchgeführten Hornhauttransplantationen. Deshalb werden wir im Rahmen der KATARAKTplus-Reihe Kataraktchirurgie im Kontext von Hornhauterkrankungen beleuchten. Hierbei geht es um Fragen, wie z.B. wann bei Patienten mit Fuchs-Dystrophie die Kataraktoperation isoliert noch Sinn macht und ab wann man eine Triple-Operation durchführt. Es geht aber auch um Extremformen, wie z.B. künstliche Hornhäute, bei denen wir jetzt mit der EndoArt auch eine selektive endotheliale Prothese haben oder auch um perforierenden Hornhauttransplantationen und deren refraktive Komponenten.
Welche speziellen Angebote erwarten Weiterbildungsassistenten und junge Kolleginnen und Kollegen auf dem Kongress?
Wir haben einen besonderen Fokus gelegt, um den aktuellen DGII-Kongress für unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen in der Facharztweiterbildung, aber auch in der chirurgischen Fortbildung attraktiver zu machen. Es wird ein Symposium geben speziell mit Tipps und Tricks für ophthalmochirurgische Beginnerinnen und Beginner. Und es gibt ein weiteres Symposium der Augenchirurginnen, das sich auch an jüngere Kolleginnen und Kollegen wendet und es gibt diverse zusätzliche Wetlabs, z.B. zum Thema DMEK.
Mittlerweile sind rund 50% der Ophthalmologen weiblich, aber sehr viel weniger schaffen den Sprung in die Ophthalmochirurgie. Wie engagiert sich die DGII, um den Frauenanteil am OP-Tisch zu erhöhen?
Genau um dieses Thema zu adressieren, haben wir die o.g. Symposien für jüngere Kolleginnen und Kollegen, die am Beginn ihrer ophthalmochirurgischen Ausbildung stehen, eingebaut. Dem gleichen Ziel dient auch das Symposium der Augenchirurginnen. Schlussendlich muss sich da aber jeder Ausbilder / jede Ausbilderin im ophthalmochirurgischen Bereich, sei es in den Kliniken, sei es in den ambulanten Operationszentren, engagieren, um den Frauenanteil bei den chirurgisch tätigen Kolleginnen und Kollegen zu erhöhen. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg und müssen das weiter vorantreiben, nicht zuletzt, um nicht in eine Versorgungslücke hineinzurutschen. Diesem Thema widmen sich übrigens auch ein Festvortrag auf der Eröffnungsveranstaltung, wo es darum geht, die möglicherweise anderen Vorstellungen von Work-Life-Balance in den nachrückenden Altersgruppen mit dem Versorgungsauftrag der Augenheilkunde in Deckung zu bringen. Also herzliche Einladung zur spannenden Eröffnungssitzung!
Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz und Robotik auf dem Kongress?
Das Thema Künstliche Intelligenz wird in verschiedenen Vorträgen ebenso wie das Thema Robotik auftauchen. Gerade wenn es um Themen zur Bildgebung und Bildanalyse geht, kommt man um das Thema Künstliche Intelligenz nicht mehr herum. Das Thema Robotik ist sicherlich noch deutlich ausbaufähig. Im Bereich der Augenheilkunde wird es auch partiell thematisiert.
Abschließend noch einmal eine ganz herzliche Einladung zum Jubiläums-DGII-Kongress nach Köln. Auch sehr herzliche Einladung zum informellen Festabend am Freitagabend in der Sky-Lounge mit spektakulärem Blick auf den Rhein und den Dom. Auch ganz herzliche Einladung, gerade auch an die jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Nutzen Sie gerne die Möglichkeiten der speziell für beginnende Ophthalmochirurginnen und Ophthalmochirurgen ausgerichteten Symposien.
40. Kongress der DGII
27.–28. Februar 2026
Messe Köln