Review zur minimalinvasiven Behandlung des Keratokonus

Das transepitheliale Crosslinking (TE-CXL oder Epi-On CXL) ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von fortschreitenden Hornhautektasien wie dem Keratokonus. Im Gegensatz zum klassischen "Epi-Off"-Verfahren bleibt bei dieser Methode das Epithel intakt. Eine kürzlich in International Ophthalmology veröffentlichter Review bietet einen umfassenden Überblick über die Vor- und Nachteile des Verfahrens.

Das Hornhautepithel als hydrophobe Barriere, die das Eindringen von Riboflavin verhindert (Ausschnitt). Bild: International Ophthalmology
Das Hornhautepithel als hydrophobe Barriere, die das Eindringen von Riboflavin verhindert (Ausschnitt). Bild: International Ophthalmology

Transepithelial corneal cross-linking: a review wurde von Forschern aus Neuseeland und Australien verfasst.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Verbesserter Komfort und höhere Sicherheit: TE-CXL bietet erhebliche Vorteile, da es das Epithel schont und postoperative Beschwerden reduziert. Patienten haben im Vergleich zum Epithel-off-Crosslinking (S-CXL) in der Regel weniger Schmerzen, eine schnellere Wiederherstellung des Sehvermögens und geringere Infektions- und Hornhauttrübungsraten.

Schwächere biomechanische Effekte: Das intakte Epithel begrenzt die Riboflavin-Penetration und die Sauerstoffdiffusion, was im Vergleich zum Standardprotokoll zu einer geringeren Versteifung der Hornhaut führt. Dies kann in vielen Fällen zu einer geringeren Wirksamkeit bei der Eindämmung der Keratokonus-Progression führen.
Die schlechte Riboflavin-Penetration verringert die Vernetzungstiefe und die biomechanische Stärkung. Verschiedene Methoden wie chemische Verstärker, Iontophorese und UVA-Verstärkung wurden untersucht, um die Penetration zu verbessern, doch aufgrund uneinheitlicher Ergebnisse hat sich keine davon als Standard durchgesetzt.

Technologische Innovationen: Jüngste Fortschritte – darunter neuartige Riboflavin-Formulierungen, iontophoreseunterstützte Verabreichungssysteme, optimierte UV-A-Einstellungen und experimentelle „theranostische” Ansätze zur dynamischen Überwachung des Riboflavinspiegels – sind vielversprechend, um die Lücke zwischen TE-CXL und traditionellen Methoden zu schließen.

Variabilität der Ergebnisse: Im Gegensatz zu S-CXL, das von gut etablierten Protokollen profitiert, fehlen bei TE-CXL standardisierte Behandlungsrichtlinien. Unterschiede in den Riboflavin-Formulierungen, den UVA-Expositionseinstellungen und den individuellen Hornhauteeigenschaften tragen zur inkonsistenten Langzeitstabilität bei. Einige Studien berichten von höheren Raten der KC-Progression nach TE-CXL, und trotz der geringeren Invasivität des Verfahrens wurden epitheliale Unregelmäßigkeiten oder verzögerte Heilung dokumentiert.

Das Hornhautepithel als hydrophobe Barriere, die das Eindringen von Riboflavin verhindert (Ausschnitt). Bild: International Ophthalmology 

Fazit: TE-CXL zwar eine vielversprechende und weniger invasive Alternative darstellt, aber die derzeitigen Erkenntnisse sprechen nicht dafür, dass es S-CXL gleichwertig ist. Es reduziert zwar die postoperativen Schmerzen und die Genesungszeit, aber dieser Vorteil geht mit Einbußen bei der Wirksamkeit und der langfristigen Stabilität einher. Im Vergleich zu S-CXL ist TE-CXL möglicherweise weniger konsistent, wenn es darum geht, die Progression des Keratokonus aufzuhalten und dauerhafte Sehverbesserungen zu erzielen. Zukünftige Bemühungen sollten sich auf die Optimierung der Riboflavin-Formulierungen für eine verbesserte Penetration, die Verfeinerung der Iontophorese- und UVA-Parameter sowie die Durchführung groß angelegter, langfristiger klinischer Studien konzentrieren.

Zhou, W., Subasinghe, S.K., de Ribot, F.M. et al. Transepithelial corneal cross-linking: a review. Int Ophthalmol 46, 62 (2026). https://doi.org/10.1007/s10792-025-03928-1