Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: Neues Glaukom-Implantat

An der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, erhielten erstmals in Norddeutschland mehrere Glaukom-Patienten ein neuartiges Implantat, das von außen am Auge eingesetzt wird – anders als bei Standard-Glaukom-Operationen, bei denen das Implantat in das Augeninnere eingebracht wird.

Prof. Dr. Swaantje Grisanti, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde, Campus Lübeck, bei einer Glaukom-OP.  Foto: UKSH
Prof. Dr. Swaantje Grisanti, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde, Campus Lübeck, bei einer Glaukom-OP. Foto: UKSH

Durch das neue minimalinvasive Verfahren wird das Infektionsrisiko reduziert und die innere Struktur des Auges, Augenlinse oder Hornhaut, geschont. Auch entfällt das Risiko, dass sich durch eine Operation die Augenlinse eintrübt oder eine vorhandene Trübung zunimmt. Die Klinik für Augenheilkunde des UKSH, Campus Lübeck, ist eine von wenigen Kliniken bundesweit, die das neue Verfahren derzeit durchführen.

Innovatives suprachoroidales MIGS-Verfahren

Das „Intercil® Uveal Spacer“ genannte Implantat erhielt im August 2025 die CE-Kennzeichnung gemäß der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR). Das ciliosklerale Implantat ist eine Entwicklung des von Dr. Philippe Sourdille gegründeten Unternehmens Ciliatech und zählt zu den suprachoroidalen MIGS-Verfahren. Es wird ab externo zwischen der Sklera und Ziliarkörper unterhalb des Limbus eingesetzt. Es zielt darauf ab, den Augeninnendruck durch eine Erhöhung des uveoskleralen Abflusses zu senken, ohne in die Vorderkammer einzudringen. Sein sogenannter „No-Bleb-No-Cleft“-Ansatz erhält die Integrität der Vorderkammer und verringert so das Risiko eines Verlusts von Hornhautendothelzellen.

„Intercil® Uveal Spacer“ im Größenvergleich mit Münzen. Foto: UKSH

Schonende Operationsmethode, geringes Infektionsrisiko

Der „Intercil® Uveal Spacer“ besteht aus hydrophilem Acryl, das seit Jahren in der Augenheilkunde verwendet wird. Das Material ist sehr weich und passt sich der Krümmung des Auges gut an. „Aufgrund des Materials, der schonenden Operationsmethode und des geringen Infektionsrisikos eignet sich das Implantat gut für jüngere Patientinnen und Patienten, die noch eine klare Augenlinse haben. Auch ältere Patientinnen und Patienten, die bereits am Grünen Star operiert wurden oder die zu Narbenbildung neigen, profitieren von dem Implantat und der damit verbundenen Operationsmethode“, sagt Prof. Dr. Swaantje Grisanti, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde. Das neue Implantat könne selbst beim sogenannten Engwinkelglaukom eingesetzt werden. Für diese Unterform des Grünen Stars gab es bisher kein Implantat.

Quellen: UKSH / Ciliatech