Kann LED-Licht die Netzhaut schädigen?

Kann LED-Licht die Netzhaut schädigen?

 

LED-Leuchtmittel (LED - light emitting diode – lichtaussendende Diode)
kommen im Alltag immer mehr zum Einsatz. Im Sommer 2016 zeigten französische
Forscher im Tierversuch, dass sich auch nach normaler Einstrahlungsstärke
und -dauer Anzeichen von Schäden an der Netzhaut nachweisen lassen. Vor
allem Patientinnen und Patienten mit Netzhauterkrankungen könnten nun
verunsichert sein, da sie verständlicherweise eine Belastung der Netzhaut
und einen damit verbundenen Visusverlust vermeiden möchten. Daher stellt
sich die Frage, wie die Wirkung von LED-Licht auf die Netzhaut zu beurteilen
ist und zu welchen Vorsichtsmaßnahmen geraten werden kann.

Frank Kießling, Spezialist für Arbeitsplatzbeleuchtung vom BFW in Halle,
hat beim Sight City Forum 2017 dazu einen Fachvortrag gehalten, der in diesem
Newsletter zusammengefasst wird.

 

Meldung

 

LED-Leuchtmittel bringen viele Vorteile. Sie sind im Gegensatz zur klassischen Glühbirne sehr energiesparend und im Gegensatz zur
Leuchtstoffröhre weitgehend flimmerfrei. LEDs leuchten nach dem Einschalten ohne merkliche Zeitverzögerung mit voller Stärke und können verschiedene Lichtfarben darstellen. Außerdem sind diese Leuchtmittel mechanisch sehr stabil und haben eine sehr lange Lebensdauer.

 

Risikoklassen von LED-Leuchtmitteln

 

LED-Leuchtmittel können aus technischen Gründen kein „weißes“ Licht erzeugen. Eine Mischung aus gelblichen und blauen Lichtanteilen nimmt das
menschliche Auge als weißes Licht wahr. Blaues Licht ist aber energiereiches Licht, das lichtempfindliche, biologische Strukturen, wie etwa die Netzhaut des Auges, negativ beeinträchtigen kann (sogenannte Fototoxizität). Dieser
Umstand ist den Behörden bekannt. Daher werden LED-Leuchtmittel generell in vier Risikogruppen eingeteilt:

 

  • Freie Gruppe: Kein Risiko auch bei sehr langer Bestrahlungsdauer. Dazu gehören glühlampenförmige LED-Leuchtmittel mit Schraubgewinde und einer matten Oberfläche sowie röhrenförmige LEDs. Auch Low-Vision
    Lampen gehören in der Regel dazu.

 

  • Risikogruppe 1: Geringes Risiko – der Blick in die Lichtquelle ist über mehrere Minuten ohne Risiko möglich. Dazu gehören spotförmige
    LED-Leuchtmittel, wie sie zum Beispiel bei manchen (Schreib-)Tischlampen genutzt werden.

 

  • Risikogruppe 2: Mittleres Risiko – Blick in die Lichtquelle ist im Bereich von Sekunden gefahrlos möglich (hier kommen die Schutzreflexe des Auges zur Auswirkung). Zur Gruppe 2 können LED-Taschenlampen
    gehören.
  • Risikogruppe 3: Hohes Risiko – auch bei sehr kurzer Exposition ist eine Schädigung des Auges möglich. Hier sind die Schutzreflexe des Auges (Lidschluss) und das Abwenden nicht mehr ausreichend.

 

Verhaltenstipps zum LED-Licht

 

Durch die Beachtung folgender Tipps lässt sich das Risiko für Schäden durch LED-Licht so weit wie möglich verringern:Je größer der Abstand zur Lichtquelle, desto geringer ist das Risiko.
Verwenden Sie daher LED-Lampen generell in einem Abstand von mindestens 20 cm. Die Beurteilung obiger Gefahrenklassen erfolgt in einem Abstand von 20 cm.

 

Soweit möglich, sollten im täglichen Gebrauch LED-Lampen der "freien Gruppe" zur Anwendung kommen.

  • Für den Haushalt eignen sich auch LED-Lampen der Risikogruppe 1,
    welche die Augen nicht gefährden, sofern Personen nicht für längere Zeit in
    die LED-Leuchte blicken. Dieser Risikogruppe gehören vorwiegend
    spotförmige LEDs wie auch teilweise Tischlampen an.

 

  • Es sollten generell keine LED-Lampen der Risikogruppen 2 oder 3 im
    privaten Bereich (Wohnung) genutzt werden, da akute Augenschädigungen
    bereits nach einem sehr kurzen Blick in die LED-Lampe möglich sind.

 

  • Der Hinweis auf die Risikogruppen 2 oder 3 muss sich bei in Deutschland
    vertriebenen Produkten auf der Verpackung befinden (Vorsicht bei
    importierten Billigprodukten aus dem Internet).

 

  • Ordnen Sie Leuchten, Tisch-, Lese- und Nachtischlampen mit sichtbarem
    „LED-Chip“ nach Möglichkeit so an, dass der Chip nicht direkt
    sichtbar ist und man bei der Nutzung nicht direkt in die Lampe blickt.

 

  •  Kantenfilterbrillen schützen die Augen vor blauen Lichtanteilen. Für
    Augenpatienten kann der Einsatz in bestimmten Situationen als Schutz
    überlegt werden. Zu beachten ist aber, dass sich die Farbwahrnehmung
    ändert und sich die Gesamtbeleuchtungsstärke auf der Netzhaut dadurch
    ebenfalls reduziert.

 

Für die praktische Anwendung gilt, dass handelsübliche LED-Lampen, richtig
eingesetzt, kein gesundheitliches Risiko darstellen. Dies gilt auch für
empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder Personen, die sehr klare,
keine oder künstliche Augenlinsen haben (die Linse bietet einen gewissen
Schutz vor Blaulicht).

 

 

Wirkung von LEDs auf den Schlaf

 

Blaue Lichtanteile werden von Bereichen des menschlichen Gehirns als
Tageslicht wahrgenommen. Daher wird durch blaues Licht die Müdigkeit
verringert und der Nachtschlaf gestört. An Orten, an denen sich Personen
während der Abendstunden vor dem Schlafen länger aufhalten, sollten
warmweiße LED- oder Energiesparlampen verwendet werden. Eine Farbtemperatur
von ca. 3000 Kelvin ist ideal. Kaltweiße Lampen mit Farbtemperaturen von
grösser als 4000 Kelvin sind weniger geeignet. Kelvin ist eine Maßeinheit
für die Lichtfarbe, je niedriger der Wert, desto weniger Blauanteil hat das
Licht. Diese Werte sind auf der Verpackung des Leuchtmittels angegeben.

 

Fazit

 

Bei Beachtung obiger Tipps können akute Schäden an der Netzhaut verhindert
werden. Eine mögliche Langzeitwirkung von LED-Beleuchtung (also über Jahre
und Jahrzehnte hinweg) kann derzeit allerdings noch nicht abschließend
beurteilt werden. Zu beachten ist aber, dass selbstverständlich auch das
Sonnen- und Tageslicht energiereiche Blauanteile besitzt, wobei Tageslicht
die Leuchtstärke einer haushaltsüblichen LED-Beleuchtung in der Regel um
ein vielfaches übersteigt.

 

Quelle: DBSV / Blickpunkt Auge; Sight City 2017, F. Kießling, BFW Halle"


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