Der Druck wächst: gematik prüft Alternativen beim Konnektorentausch – CompuGroup senkt den Preis

In die Diskussion um den Austausch der Konnektoren kommt Bewegung. Die KBV konnte durchsetzen, dass die gematik weitergehend prüft. Zudem hat das Softwareunternehmen CompuGroup Medical – kurz CGM – den Preis für den Konnektorentausch auf 2.300 Euro abgesenkt. Das ist genau der Betrag, den die Praxen laut Schiedsspruch erstattet bekommen.

© KBV
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„Es muss alles auf den Tisch, damit wir Klarheit darüber haben, ob wirklich 130.000 Geräte mit Kosten von rund 300 Millionen Euro ausgetauscht werden müssen“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel nach der Gesellschafterversammlung der gematik am Dienstag. An sinnvollen Alternativen müssten eigentlich alle Seiten ein Interesse haben – auch im Sinne der Nachhaltigkeit und des schonenden Einsatzes knapper Ressourcen.

KBV erwartet Prüfung aller Alternativen

Die gematik will bis zur nächsten Gesellschafterversammlung Ende August eine Alternativenprüfung vorlegen. Damit wurde die Forderung der KBV aufgegriffen, wenngleich der von ihr eingebrachte Antrag weitergehender war. Kriedel: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum insbesondere das Bundesgesundheitsministerium der von uns eingeforderten und beantragten Neubewertung der Situation und Lage nicht zugestimmt hat. Ich erwarte nun aber, dass die gematik unsere konkreten Punkte und Fragen in ihrer Alternativenprüfung aufgreifen wird.“ Das Ministerium ist Mehrheitsgesellschafter der gematik.

Die Debatte um den Konnektorentausch war neu entfacht, nachdem das IT-Fachmagazin c’t im Juli berichtet hatte, dass ein Tausch einer alten gSMC-K-Karte gegen eine neue gSMC-Karte durchaus möglich sei. Die gematik hat dies verneint und sich dabei auf „aktuelle Aussagen“ der Hersteller berufen. Die KBV verlangt nun eine Neubewertung der Lage.

Inzwischen hat sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in die Diskussion eingeschaltet. Es hält laut Medienberichten eine Weiternutzung der RSA-Schlüssel in den Konnektoren bis Ende 2025 für vertretbar. Bislang war eine Zertifikatsverlängerung nur bis 2024 möglich gewesen.

„Wenn dies der Fall ist, dann muss die gematik eine klare Aussage treffen, ob die Cloudlösung bis Ende 2025 umgesetzt ist. Die Hersteller wiederum müssen verbindlich erklären, ob sie ihre Software entsprechend aktualisieren können. Denn dann wäre der Konnektorentausch gegebenenfalls komplett unnötig“, führte Kriedel aus.

Mit der Cloudlösung (TI 2.0), an der die gematik arbeitet, sollen die Praxen über eine Software an die Telematikinfrastruktur angebunden werden. Hardware-Konnektoren und Chipkarten wären dann nicht mehr erforderlich.

Preis auf Erstattungsbetrag abgesenkt

Bereits am Montag hatte die Firma CGM in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sie den Preis für den Konnektorentausch auf 2.300 Euro (inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer) senkt. Diese Preisanpassung gelte auch für alle Ärztinnen und Ärzte, die den Konnektorentausch bereits beauftragt hätten, hieß es.

CGM-Kunden sind die ersten, bei denen die Konnektoren ausgewechselt werden müssen – allein in diesem Jahr sind rund 15.000 Arzt- und Zahnarztpraxen betroffen. Ursprünglich sollte der Austausch rund 2.770 Euro brutto kosten. Nach der Entscheidung des Bundesschiedsamtes, wonach die Krankenkassen einen Betrag von 2.300 Euro brutto erstatten müssen, hatte die KBV mehrfach verlangt, dass die Praxen, sollte schon der Austausch nicht verhindert werden können, nicht auf Kosten sitzen bleiben dürfen.

Quelle: KBV