Prof. Dr. Hagen Thieme initiiert Projekt gegen augenärztliche Versorgungsengpässe

In vielen strukturschwachen Regionen ist der Mangel an Augenärzten eine traurige Realität. So auch in der Altmark. Das gab den Anstoß zu „Auf Sicht fahren“. In diesem Film geht Prof Hagen Thieme, dem Direktor der Universitätsaugenklinik in Magdeburg, dem Problem auf den Grund. Und er sucht nach innovativen Lösungsansätzen.

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Die Magdeburger Universitätsaugenklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Hagen Thieme hatte kürzlich zu der Filmpremiere „Auf Sicht fahren“ eingeladen. In dem Film ging es um augenärztliche Versorgungsengpässe in der Altmark. Prof. Thieme zeigte gemeinsam mit der HealthCare Futurists GmbH aus Köln, wie man Versorgung für Patient:innen in ländlichen Regionen absichern kann und den medizinischen Fortschrift, die Telemedizin, dahin bringt, wo er gebraucht wird.

Ein zum „Maker Mobil“ umgebauter Kleintransporter, der von den HealthCare Futurists betrieben wird, wurde mit modernsten Geräten zur Augendiagnostik ausgestattet. Bereit für den Einsatz in der telemedizinischen Kommunikation parkte er mitten auf dem Marktplatz in Osterburg. Schnell bildete sich rund um den mobilen Untersuchungsraum eine Schlange von neugierigen Passanten, die sich untersuchen lassen wollten. Das Konzept der Datenübermittlung und einer daran anschließenden, schnellen Ferndiagnose über einen Facharzt oder eine Fachärztin in der Universitätsaugenklinik in Magdeburg kam gut an. „Die Patientinnen und Patienten konnten per Ferndiagnose behandelt werden”, so Dr. Gantner, selbst Arzt und Gründer sowie Geschäftsführer der HealthCare Futurists, der das Projekt begleitete. Der Chef-Ophthalmologe Prof. Thieme erklärt: „Wir wollen mit dieser Filmpremiere die Politik überzeugen, uns nicht nur in der Augenheilkunde, sondern in vielen anderen Fachbereichen zu unterstützen und damit die Versorgung von Patienten in den betroffenen Regionen deutlich zu verbessern. Wir wollen nicht die Ärzte ersetzen, sondern die Versorgung in ländlichen Gebieten verbessern.“, so Thieme.

Das Innere des Maker Mobils. Foto: Melitta Schubert/UMMD

Dr. Kerstin Stachel, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums, sieht vor allem noch viele rechtliche Punkte bei telemedizinischen Angeboten ungeklärt. „Wenn man die Gesundheitsberufe ertüchtigen dürfte, solche Untersuchungen durchzuführen und an uns anzubinden, dann bieten diese Modelle große Chancen, medizinische Versorgung in diesen Gebieten aufrecht zu erhalten, so Dr. Stachel.

Für Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, bestehe das Problem nicht in einem Ärztemangel, sondern in der Verteilung der Ärzte. Die ärztliche Qualität konzentriere sich meistens aus ökonomischen Gründen in den Großstädten. Sein Ansatz wäre die Gesundheitsversorgung vielfältig zu verankern. „Das bedeutet zum einen, dass wir Menschen benötigen, die in der Gesundheitsversorgung ausgebildet sind, um zu helfen. Hier wäre die Politik gefordert Gesundheitsfachberufe zu akademisieren, damit diese selbstständig arbeiten können. Andererseits müssen wir in die Digitalisierung und in die moderne Medizin, in die Telemedizin und Robotik investieren. Ich bin bei allen Schwierigkeiten optimistisch, dass wir das in den nächsten Jahren sehr gut hinbekommen.“

Einen Beitrag zu „Auf Sicht fahren“ sehen Sie in der neuen Ausgabe der EYEFOX ophthal news

Quelle: Universitätsmedizin Magdeburg