DOG - Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.
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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

 

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln.

 

Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus.Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt.

 

Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.


Company News

114. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft22. September 2016

DOG 2016:
114. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft

29. September bis 2. Oktober 2016, Estrel Berlin

 

Neue Ansätze bei häufigen Augenleiden

Mini-Implantate gegen Grünen Star, trifokale Linsen bei Grauem Star, Prävention von altersabhängiger Makuladegeneration

 

Berlin –Fetthaltige Nahrung und Übergewicht fördern die Netzhauterkrankung altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Sonnenlicht steht ebenfalls unter Verdacht. Was wir tun können, um dem unheilbaren Augenleiden vorzubeugen, erläutern Experten morgen auf der Vorab-Pressekonferenz zum diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Weitere Themen dort: Was bringen Kunstlinsen neuester Generation, die das Sehvermögen bei Grauem Star auf ferne, mittlere und nahe Distanz zugleich korrigieren wollen? Können die Patienten tatsächlich auf jede Brille verzichten? Plus: Wer an Grünem Star erkrankt ist, kann jetzt neben Tropfen auch auf winzige Implantate zurückgreifen, die den Augeninnendruck senken.

 

Die Vorab-Pressekonferenz findet am Donnerstag, den 22. September 2016, von 11.00 bis 12.00 Uhr im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 4, Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardstraße 55 in 10117 Berlin statt. Bitte melden Sie sich unter ullrich@medizinkommunikation.org an.

 

Die Kongress-Pressekonferenz findet dann eine Woche später am Donnerstag, 29. September 2016, von 12.30 bis 13.30 Uhr im Estrel Congress & Messe Center Berlin, Raum Paris, Sonnenallee 225 in 12057 Berlin statt. Themen und Referenten können Sie nachfolgend einsehen.

 

Weitere Infos zum Kongressprogramm unter www.dog-kongress.de.

Grauer Star, Grüner Star, Makuladegeneration07. September 2016

Mindestens jeder fünfte Seniorenheim-Bewohner leidet unnötig unter Sehbeeinträchtigungen

 

Berlin – Etwa 32 Millionen Mal pro Jahr suchen Patienten in Deutschland die bundesweit 5.500 niedergelassenen Augenärzte auf. „Damit behandeln Ophthalmologen nach Hausärzten und Gynäkologen die meisten Patienten“, erklärt Professor Dr. med. Horst Helbig, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Zugleich wird der augenärztliche Bedarf aus demographischen Gründen in den nächsten zwei Jahrzehnten um zwanzig Prozent steigen – bereits jetzt leidet jeder fünfte Bewohner eines Seniorenheims unnötig unter Sehbeeinträchtigungen, wie erste Erhebungen zeigen. Was das für die Forschung bedeutet, diskutieren Experten auf dem 114. Kongress der DOG unter dem Motto „Augenheilkunde – ein großes Fach“. Dort stellen Forscher unter anderem neue Therapieansätze für die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), den Grauen und Grünen Star vor. Der Kongress findet vom 29. September bis 2. Oktober 2016 in Berlin statt.

 

Von Erkrankungen am Auge sind achtzehn Millionen Deutsche betroffen. Knapp ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist kurzsichtig, unter Grauem Star – einer Trübung der Augenlinse – leiden schätzungsweise zehn Millionen Menschen, unter altersabhängiger Makuladegeneration rund 2,5 Millionen. „Das bedeutet zugleich, dass die Operation des Grauen Stars mit jährlich 700.000 Eingriffen die weitaus häufigste Operation in Deutschland ist“, so Helbig. Auf eine ähnliche hohe Zahl bringt es die operative Medikamenten-Eingabe in das Auge bei AMD. Zum Vergleich: Blinddarm-Operationen finden 150.000 Mal statt, der Einsatz künstlicher Hüften 200.000 Mal. „Augenoperationen zählen zu den mit Abstand häufigsten Eingriffen in Deutschland, Augenleiden sind Volkskrankheiten“, betont DOG-Präsident Helbig.

 

Und deren Behandlungsbedürftigkeit wird nach Einschätzung der Experten vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung weiter zunehmen. „Wir gehen von einem Anstieg von zwanzig Prozent in den nächsten zwanzig Jahren aus“, erklärt Helbig. Um Bedarf und Ressourcen besser abschätzen zu können, hat die Stiftung Auge daher eine Stiftungsprofessur für Versorgungsforschung ausgeschrieben. „Wir wollen herausfinden, was von den therapeutischen Möglichkeiten, die wir haben, tatsächlich bei den Patienten ankommen“, sagt Helbig. „Es besteht heute Konsens darüber, dass die Verhinderung von Sehverlust im fortgeschrittenen Alter extrem wichtig ist, um Selbständigkeit und Teilhabe zu erhalten – das ist nicht zuletzt auch volkswirtschaftlich kosteneffizient.“

 

Dass schon heute eine Unterversorgung bestehen dürfte, lässt eine kürzlich publizierte Erhebung unter den Bewohnern von sechs Seniorenheimen vermuten. „Jeder fünfte Bewohner war augenärztlich akut behandlungsbedürftig“, so Helbig. So ergab die Stichprobe, dass 45 Prozent mit ihren vorhandenen Sehhilfen nicht mehr lesen konnten, knapp die Hälfte litt unter nicht diagnostiziertem Grauem Star, bei jedem fünften lag eine trockene AMD vor, fast 80 Prozent wiesen eine behandlungsbedürftige Bindehautentzündung auf. „Nur die Hälfte der Bewohner gab an, in den zurückliegenden fünf Jahren beim Augenarzt gewesen zu sein“, erläutert Helbig.

 

Den Grauen Star operieren Augenchirurgen schon seit langem erfolgreich. „Aktuell werden die Techniken immer ausgefeilter, worüber wir auf dem Kongress ebenfalls diskutieren wollen“, berichtet Helbig. Weitere Fortschritte in der Behandlung häufiger Augenleiden: Die Erblindungsrate bei feuchter Makuladegeneration konnte dank Medikamenten-Eingabe ins Auge deutlich reduziert werden, neue Behandlungskonzepte mit länger wirksamen Medikamenten oder einer Gentherapie liegen vor. „Auch für die trockene Makuladegeneration, die bisher nicht behandelbar war, gibt es jetzt erste hoffnungsvolle Therapieansätze“, berichtet Helbig. Für den Grünen Star sind ebenfalls neue Operationstechniken auf dem Weg.

 

Neue Entwicklungen zur Therapie dieser Volkskrankheiten sowie die Notwendigkeit verstärkter Versorgungsforschung sind zwei der Schwerpunktthemen auf der DOG 2016.

 

Augen-Untersuchung in Pflegeheimen:

https://www.aerzteblatt.de/pdf/113/18/m323.pdf?ts=29.04.2016+08%3A22%3A57

Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa | Computer-Training verbessert Orientierungsvermögen16. August 2016

München – Zwischen 30 000 und 40 000 Menschen in Deutschland leiden an der unheilbaren Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. Tübinger Augenärzte haben nun ein computerbasiertes Training entwickelt, das die Wahrnehmung und das Orientierungsvermögen der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen deutlich verbessert. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht in der Software eine Chance, die Sicherheit und die Lebensqualität von Menschen mit Retinitis pigmentosa zu steigern und empfiehlt, das Training in die Behandlung dieser Patienten miteinzubinden.

 

Bei der angeborenen Erkrankung gehen die Lichtsinneszellen der Netzhaut des Auges nach und nach unter. Dieser Vorgang beginnt meist schon im Jugendalter an den äußeren Rändern des Gesichtsfelds und dringt im Laufe der Zeit weiter nach innen vor. Dadurch entsteht bei den Betroffenen ein „Tunnelblick“, der das Orientierungsvermögen einschränkt. „Die Patienten erkennen Hindernisse zu spät, sie stürzen häufiger, und das Risiko, als Fußgänger im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen, ist erhöht“, sagt Professor Dr. med. Susanne Trauzettel-Klosinski, die an der Universität Tübingen die Forschungseinheit für visuelle Rehabilitation leitet. Darunter leidet die Lebensqualität: „Viele Menschen mit Tunnelblick trauen sich kaum mehr ihre Wohnung zu verlassen und am öffentlichen Leben teilzunehmen“, berichtet die Expertin.

 

Tübinger Augenärzte haben nun ein computerbasiertes Trainingsprogramm für Menschen mit Retinitis pigmentosa entwickelt. Dabei sitzt der Patient vor einem Computer, auf dessen Bildschirm zufällige Zahlen erscheinen. Der Patient soll diese mit der Computermaus wegklicken. Einige Zahlen erscheinen auch außerhalb des Gesichtsfelds – durch gezielte Bewegungen der Augäpfel lernt der Betroffene auch diese zu erfassen. Ein ähnliches Training nutzen bereits Schlaganfallpatienten, bei denen der Hirnschaden zu einem Gesichtsfeldausfall geführt hat.

 

In einer ersten klinischen Studie testeten 25 Patienten mit Retinitis pigmentosa das PC-Programm zu Hause am Laptop. Sie trainierten an fünf Tagen pro Woche für jeweils 30 Minuten. Die Ergebnisse wurden nun im Fachblatt PLOS One veröffentlicht: Nach sechs Wochen Training hatten die Patienten ihre Reaktionszeiten im PC-Training um 37 Prozent gesenkt. Die Patienten konnten danach einen Gehtest mit Hindernissen schneller und mit weniger Fehlern absolvieren als eine Vergleichsgruppe, die nur an einem Lesetraining teilgenommen hatte. Während des Gehtests trugen alle Teilnehmer ein Gerät, das die Augenbewegungen registrierte.

 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Probanden vermehrt die Umgebung ihres eingeschränkten Gesichtsfeldes erkunden, erklärt Trauzettel-Klosinski: „Durch das Training haben sie gelernt, die Bewegung ihrer Augäpfel bewusst zu steuern – so nehmen sie Hindernisse besser wahr als untrainierte Patienten.“ Ein solches Training kann die Mobilität auch nach einem bereits erfolgten Orientierungs- und Mobilitätstraining mit dem Langstock verbessern. Die Tübinger Ophthalmologen arbeiten die Trainingssoftware nun zu einem benutzerfreundlichen Programm aus. Die Kosten dafür schätzt Trauzettel-Klosinski auf etwa 300 Euro und hofft, dass die Krankenkassen sich daran beteiligen.

 

Aufhalten oder gar heilen kann das Training die Erkrankung nicht: „Die Übungen helfen den Betroffenen aber ihr verbliebenes Blickfeld effektiver zu nutzen und sich so im Alltag besser zurechtzufinden“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz vom Vorstand der Stiftung Auge, die die Tübinger Studie unterstützt hat. Für die Patienten böte das Training spürbare Vorteile: sie können aktiv etwas gegen die Folgen der Erkrankung unternehmen und gewinnen Lebensqualität.

 

Literatur:

Ivanov IV, Mackeben M, Vollmer A, Martus P, Nguyen NX, Trauzettel-Klosinski S. Eye Movement Training and Suggested Gaze Strategies in Tunnel Vision - A Randomized and Controlled Pilot Study.PLoS One 2016; 11(6): e0157825

 

Pressemeldung zum Download: Hier klicken

Quelle: DOG.org

Augenlasern im Ausland07. July 2016

Augenärzte raten von Billig-Angeboten ab

 

München – Etwa 25 000 Deutsche reisen jährlich ins Ausland, um mit einer Laseroperation eine Fehlsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung korrigieren zu lassen. Billig-Anbieter locken mit niedrigen Preisen und der Aussicht, den Eingriff mit einem sonnigen Urlaub zu kombinieren. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät von solchen Angeboten ab: Mangelnde Hygiene, veraltete Geräte und unzureichend qualifizierte Augenärzte erhöhen das Risiko für Komplikationen, die im Ernstfall bleibende Schäden an den Augen hinterlassen.

 

Mit einer Erfolgsquote von über 90 Prozent gilt das LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis)-Verfahren in Deutschland als sichere Methode, um per Laser eine Kurz- oder Weitsichtigkeit zu korrigieren. Dabei öffnet der Augenarzt mithilfe eines Laserstrahls die Hornhaut des Auges und entfernt einige Tausendstel-Millimeter Hornhautgewebe, um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren. „Dank führender Technologie und sehr strenger Handlungsempfehlungen können wir in Deutschland bei diesem spezialisierten Eingriff sehr hohe Qualität anbieten“, sagt Professor Dr. med. Thomas Kohnen, erster Vizepräsident und Schatzmeister der DOG. Doch Qualität hat ihren Preis: rund 2500 Euro pro Auge kostet das Verfahren einschließlich der Vor- und Nachbehandlung. Nur in wenigen Fällen, wie zum Beispiel bei einer nachgewiesenen Brillenunverträglichkeit, beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten.

 

Im Ausland ist die LASIK günstiger zu haben: So bieten einige Kliniken an, beide Augen für 1000 Euro oder weniger zu korrigieren. Die Einsparungen gehen jedoch nicht selten auf Kosten der Qualität. Mitunter sind die Geräte veraltet oder nicht steril, den Operateuren fehlt eine geprüfte Qualifikation. Kohnen, der die Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt leitet, behandelt selbst Patienten, die nach einer LASIK im Ausland über Beschwerden klagen. Bei vielen von ihnen wurde die Hornhaut nach dem Lasern nicht richtig fixiert. In anderen Fällen wurde zu viel oder zu wenig Hornhautgewebe entfernt, so der LASIK-Experte. „Und fast immer fehlte es an einer gründlichen Voruntersuchung und Nachsorge“, so Kohnen. Der Experte rät darum allen Patienten davon ab, sich von niedrigen Preisen ins Ausland locken zu lassen. „Die Angebote sind nur auf den ersten Blick günstig: Braucht der Patient eine Nachbehandlung, so muss er diese aus der eigener Tasche bezahlen.“ Hinzu kämen noch die Kosten für die Reise und den Aufenthalt und das Schlimmste: bleibende Schäden am Auge. Hierzulande treten beim professionellen Augenlasern durch einen Experten selten Komplikationen auf: Wenige Patienten beklagen nach dem Eingriff ein Trockenheitsgefühl in den Augen, das mithilfe von Augentropfen aber nach einigen Monaten abklingt. Dass sich die Hornhaut entzündet und Narben entstehen, kann vorkommen, sei aber die Ausnahme, so Kohnen.

 

Menschen, die eine Behandlung mit LASIK in Erwägung ziehen, sollten sich hierzulande in einem zertifizierten Zentrum beraten und behandeln lassen, empfiehlt Kohnen: „Zu einer guten Behandlung gehört eine gründliche Voruntersuchung mit einem aufklärendem Gespräch, sowie eine abschließende Kontrolle nach dem Eingriff.“ Die DOG-Kommission Refraktive Chirurgie führt eine Liste der Kliniken und niedergelassenen Augenärzte, die die LASIK gemäß DOG-Empfehlung durchführen. Diese ist im Internet erhältlich unter http://www.aad.to/krc/anwender.php.

 

 

Quellen:

Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG

und den BVA – KRC-Empfehlungen

http://www.dog.org/wp-content/uploads/2013/03/KRC-Empfehlungen-11-2015.pdf

 

„Medizintourismus“ – Eine Online-Studie der Stiftung Internetforschung im Auftrag von ERGO Direkt, Erhebung März 2014

 

E. Terzi, T. Kern, T. Kohnen, Komplikationen nach refraktiver Chirurgie im Ausland, Der Ophthalmologe, 2008:105,474-479

Augenheilkunde kommt im Studium zu kurz DOG sieht augenärztliche Versorgung bedroht08. October 2015

München – Der derzeit geplante „Masterplan Medizinstudium 2020“ der Bundesregierung geht zulasten der Augenheilkunde, mahnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Das Ziel des Plans, den Fachbereich Allgemeinmedizin im Studium zu stärken dürfe nicht auf Kosten wichtiger Spezialgebiete gehen, so die DOG. Insbesondere die Augenheilkunde müsse stärker gefördert werden als bisher. Denn Erkrankungen, die das Augenlicht gefährden, nehmen in den nächsten Jahren weiter zu. Sehschwächen und Blindheit machen viele Menschen hilflos – was auch erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem bedeutet.

Augenkrankheiten, die das Sehen stark beeinträchtigen, betreffen Millionen Menschen in Deutschland und verursachen rund drei Viertel aller Erblindungen. Die meisten Menschen über 60 Jahre entwickeln einen „Grauen Star“, jeder dritte eine altersbedingte Netzhauterkrankung und jeder zweite leidet an trockenen Augen. Schätzungen zufolge steigt die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahrzehnten erheblich. Augenleiden gehören damit zu den häufigsten Volkskrankheiten. „Wenn diese Menschen keine professionelle Behandlung durch einen Augenarzt erfahren, müssen wir mit einer wachsenden Anzahl hilfs- und pflegebedürftiger Patienten rechnen, weil diese mit einer vermeidbaren fortgeschrittenen Sehbehinderung im Alter leben müssen“, sagt DOG-Präsident Professor Dr. med. Karl-Ulrich Bartz-Schmidt. „Dies wäre aus ärztlicher Sicht völlig inakzeptabel und für Deutschland beschämend“, so der Direktor der Universität-Augenklinik Tübingen.

Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ will die Bundesregierung die Allgemeinmedizin stärken, um auch in ländlichen Regionen die medizinische Grundversorgung zu sichern. Das sicherlich wichtige Ziel, ausreichend Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu gewinnen, dürfe aber nicht auf Kosten der Fachdisziplinen gehen, betont Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Generalsekretär der DOG. Denn die Augenheilkunde kämpft heute schon mit Versorgungsengpässen. „Die augenärztlichen Praxen und Kliniken sind so voll, dass manche Patienten mit schweren Augenkrankheiten lange auf einen Termin warten müssen“, so Reinhard.

Die Bundesregierung setzt mit ihren Plänen auch auf eine zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber und will die Praxisnähe der Ausbildung vergrößern. Die DOG befürwortet zwar beide Ansätze, betont aber gleichzeitig, wie wichtig es ist, die Augenheilkunde einzubeziehen und vor allem auch, Forschung auf diesem Gebiet zu fördern: „Wir brauchen hochqualifizierte Augenärzte und Wissenschaftler, die neueste Methoden anwenden, den steigenden Versorgungsbedarf decken können und insbesondere alten Menschen so lange wie möglich die Sehkraft erhalten“, sagt Reinhard. Dies verhindert Stürze und erlaubt ein selbständiges, selbstbestimmtes Leben. Das wiederum spart Kosten für Hilfe und Pflege.

Noch können Augenärzte – trotz leitliniengerechter Therapie – nicht jede Erblindung verhindern. „Um diesem Ziel näher zu kommen, müssen wir mehr in Forschung und Innovation investieren“, so Bartz-Schmidt. Deshalb empfiehlt die DOG mehr wissenschaftliche Schwerpunkte und die Förderung wissenschaftlicher Kompetenzen während des Medizinstudiums. 

Schwangerschaft und Stillzeit Augenmedikamente meist ungefährlich, Sehverschlechterung bildet sich zurück10. September 2015

Berlin – Augentropfen und -salben können in der Regel während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. So können werdende Mütter etwa Herpes, bakterielle Entzündungen oder Allergien am Auge behandeln, ohne gesundheitliche Nachteile für das Kind zu befürchten. Entwarnung geben Experten auch für Sehverschlechterungen, die sich bei vielen Schwangeren einstellen. Kurzsichtigkeit und Kontaktlinsenunverträglichkeit bilden sich nach der Entbindung meist von selbst wieder zurück, betont die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres 113. Kongresses. Mit Fragen zu Medikamenten können sich Schwangere an spezielle Beratungszentren wenden.


Viele Augenerkrankungen lassen sich auch in der Schwangerschaft ohne Nachteile für das ungeborene Kind behandeln. „Dies gilt beispielsweise für eine Infektion mit Herpesviren“, erklärt Professor Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Kongress-Präsident und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. „Die Therapie mit Aciclovir-Salbe ist unbedenklich.“ Auch spricht meist nichts gegen lokal angewendete Antihistaminika, um eine allergische Bindehautentzündung während der Schwangerschaft zu kurieren.

 

Ist ein Antibiotikum gefragt, um eine bakterielle Entzündung in den Griff zu bekommen, können Betroffene auf Salben mit den Substanzklassen Fluoroquinolone oder Aminoglykoside zurückgreifen. Als Tabletten sind allerdings Präparate aus der Wirkstoffgruppe der Penicilline oder Cephalosporine zu bevorzugen. „Auch diese Antibiotika können in Tablettenform in der Stillzeit vorübergehend zur Veränderungen der kindlichen Stuhlflora führen, mit der Folge einer Stuhlverdünnung“, erläutert Privatdozent Dr. med. Thomas Neß, Leiter des Schwerpunktes Uveitis an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. „Das sollten die Eltern vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können.“

 

Muss der Augendruck während der Schwangerschaft gesenkt werden, gilt Timolol als das Mittel der Wahl. Ist ein Eingriff am Auge erforderlich, sollte nach Möglichkeit örtlich betäubt werden. „Wir empfehlen dafür den Wirkstoff Bupivacain“, so Neß. „Er geht nur minimal in die Muttermilch über.“ Unbedenklich bei gelegentlichem Einsatz ist auch das Mittel Paracetamol, um leichte bis mittelschwere Schmerzen zu bekämpfen. „Bestehen Zweifel beim Einsatz eines Medikaments oder bei einer augenärztlichen Untersuchung, helfen Beratungszentren für Reproduktionstoxikologie und Pharmakovigilanz mit Auskünften weiter“, rät Neß. Sie können unter www.reprotox.de oder www.embryotox.de kontaktiert werden.

 

Leidet eine werdende Mutter unter Diabetes Typ 1, ist Vorsicht geboten. „Die diabetesbedingte Netzhauterkrankung ist die häufigste Augenerkrankung in der Schwangerschaft“, berichtet Neß. „Sie kann sich in den neun Monaten massiv verschlechtern.“ Deshalb ist eine konsequente Behandlung der diabetischen Retinopathie vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft wichtig, ferner eine Kontrolle der Augen mindestens alle drei Monate.

 

Entwarnung geben die Ärzte für plötzlich auftretende oder sich verstärkende Kurzsichtigkeit, die oft Besorgnis auslöst und zu Besuchen in den Klinikambulanzen führt. „Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich die Brillenstärke“, erläutert Neß. Noch häufiger stellen sich Kontaktlinsenunverträglichkeiten ein. „Das ist bei bis zu dreißig Prozent der Schwangeren der Fall“, erklärt der DOG-Experte aus Freiburg. Ursache ist vermutlich eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sowie eine Zunahme der Dicke von Hornhaut und Linse. „Beide Phänomene bilden sich nach der Geburt aber meist wieder zurück“, beruhigt Neß.

 

Oftmals werden Augenerkrankungen als Grund für eine Entbindung per Kaiserschnitt herangezogen. „Dies entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage“, betont Neß. Bei Netzhauterkrankungen, einem Glaukom, Kurzsichtigkeit oder nach Augenoperationen ist eine normale Entbindung ohne Gefahr für das Auge möglich.

 

Worauf bei Medikamenten und Augenerkrankungen während Schwangerschaft und Geburt zu achten ist, diskutieren DOG-Experten auf dem 113. Kongress in Berlin.  


113. DOG-Kongress 1. bis 4. Oktober 2015, Estrel 20. August 2015

Erste Gentherapie startet in Deutschland 

Neue Hoffnung im Kampf gegen seltene Augenleiden


Berlin – An der Augenklinik der Universität Tübingen erhalten voraussichtlich noch in diesem Jahr Patienten mit der seltenen Augenerkrankung Choroideremie eine Gentherapie. Für die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) markiert der Versuch den Beginn einer neuen Ära. Die Fachgesellschaft der deutschen Augenärzte erwartet die Entwicklung weiterer Gentherapien, die deshalb auch ein Schwerpunkt des diesjährigen DOG-Kongresses sind. Die Tagung findet vom 1. bis 4. Oktober 2015 in Berlin statt.

 

Die Patienten der Tübinger Genstudie leiden seit früher Kindheit unter Sehstörungen. Zunächst verschlechtert sich das Dämmerungssehen, später kommt es zu einer zunehmenden Einschränkung des Gesichtsfelds und dem Verlust der Sehkraft. „Die meisten Betroffenen erblinden noch vor dem 50. Lebensjahr“, erläutert Kongress-Präsident Professor Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt. Die Ursache des langsamen, aber unaufhaltbaren Sehverlusts ist ein Defekt in einem der rund 200 Gene, die für die Funktion der Netzhaut verantwortlich sind. „Die Choroideremie betrifft in Deutschland nur etwa 1 000 Menschen“, sagt Bartz-Schmidt. Für den Ärztlichen Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen steht die Choroideremie stellvertretend für eine Vielzahl von seltenen Gendefekten, die derzeit unheilbar sind und für die eine Gentherapie erstmals eine Behandlungsperspektive bieten könnte.

 

Bei der Gentherapie der Choroideremie schleusen Forscher eine gesunde Version des defekten Gens in die Zellen der Netzhaut. Dabei nutzen sie ein Virus als Träger. „Die sogenannten adenoassoziierten Viren verursachen keine Krankheit, können sich nicht selber vermehren und gelten deshalb als sicher“, sagt Bartz-Schmidt. Augenleiden eignen sich besonders gut für eine Gentherapie. Die Augen sind nach außen abgegrenzt und die Viren samt Gen können in einer Operation direkt unter die Netzhaut injiziert werden. Außerdem kommt es in der Regel zu keiner Abwehrreaktion des Immunsystems.

 

Eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. med. Robert MacLaren von der Universität Oxford hat die Gentherapie der Choroideremie entwickelt und im vergangenen Jahr Ergebnisse vorgestellt: Bei zwei von sechs Patienten verbesserte sich die Sehstärke nach der Therapie, bei den übrigen vier konnte die Sehschärfe von 0,63 oder besser erhalten werden. „Wir hoffen, mit der Gentherapie die Erblindung verzögern oder sogar ganz aufhalten zu können“, erklärt Bartz-Schmidt.

 

Neben der Anwendung bei der Choroideremie befinden sich weitere gentherapeutische Ansätze für erblich bedingte Netzhauterkrankungen in der Erprobung, darunter für Achromatopsie, Morbus Stargardt, Retinitis Pigmentosa und die feuchte Form der altersbedingten Makuladegeneration. Patienten oder Angehörige, die sich über klinische Studien informieren möchten, könnten dies unter https://clinicaltrials.gov tun. „Betroffene sollten ihren Augenarzt um eine Überweisung an die spezialisierten Zentren bitten“, rät Professor Barzt-Schmidt.

 

Erste Erfahrungen und Ergebnisse der Gentherapie bei seltenen Augenleiden diskutieren Experten auf dem Kongress der DOG, der vom 1. bis 4. Oktober 2015 in Berlin stattfindet.


Stiftung Auge klärt auf: Wie häufig sind Augenerkrankungen in Deutschland?15. July 2015

 

Neue W2-Professur ausgeschrieben: Stiftung Auge fördert ophthalmologische Versorgungsforschung

 

Bonn – Deutschland fehlen systematische, aussagekräftige Studien, die den Versorgungsbedarf, Qualität und Risiken in der Augenheilkunde erfassen. Die Häufigkeit von Augenleiden und deren Versorgungsbedarf ist deshalb hierzulande noch zu wenig erforscht, meinen Experten der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die Stiftung Auge nimmt sich nun verstärkt diesem Problem an: Gemeinsam mit dem Berufsverband der Augenärzte (BVA) schreibt sie eine Stiftungsprofessur für ophthalmologische Versorgungsforschung aus. Die Stiftung stellt Mittel für bis zu fünf Jahre bereit.

 

Fast 70 Prozent der Menschen wären eher bereit, zehn Lebensjahre oder sogar eine Gliedmaße zu opfern als ihr Augenlicht. Diese Ergebnisse einer Umfrage zeigen, wie wichtig uns Sehen ist und in welchem Ausmaß sich unsere Gesellschaft von Augenkrankheiten bedroht fühlt, meint Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge der DOG: „Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Nachfrage für augenärztliche Versorgung in den letzten Jahren erheblich angestiegen ist – vor allem in der älteren Bevölkerung“, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

 

Jedoch lassen sich Häufigkeit und Risiken von Augenerkrankungen und auch die Finanzierungssituation in Deutschland derzeit nicht darstellen – denn sie sind kaum statistisch belegt und werden nicht systematisch erfasst. Stattdessen stützen sich Erhebungen meist auf Daten aus dem europäischen oder gar außereuropäischen Ausland. „Dabei unterscheiden sich ethnische und soziale Faktoren, wie auch die Praxis der Augenheilkunde dieser Länder stark von Deutschland“, so Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Mainz.

 

Die Stiftung Auge schreibt deshalb jetzt eine W2-Stiftungsprofessur für ophthalmologische Versorgungsforschung aus. Sie stellt dafür Mittel für bis zu fünf Jahre bereit. Die neue Stelle soll dazu beitragen, die systematische Datenaufbereitung von Augenerkrankungen voranzutreiben. „Auf der Basis einer aussagekräftigen, besseren Datenbasis können auch Strategien entwickelt werden, wie die Qualität der Versorgung von Patienten mit Augenleiden in der Zukunft noch weiter verbessert werden kann“, begründet Holz den Bedarf, die Versorgungsforschung in Deutschland zu stärken.

 

Aus volkswirtschaftlicher Sicht seien unter anderem die altersabhängige Makuladegeneration, diabetische Erkrankungen der Netzhaut, der grüne Star und der graue Star zu berücksichtigen, aber auch Brechungsfehler, die zur Fehlsichtigkeit führen. Sie verursachen einen Großteil der direkten und indirekten Kosten durch Augenerkrankungen, die sich pro Jahr auf vier bis zwölf Milliarden Euro belaufen.

 

Erste Ansätze zu einer nationalen Analyse gibt es bereits. So hat die DOG im Jahr 2012 das „Weißbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland“ herausgegeben, das die Zahlen der aktuellen und zukünftigen augenärztlichen Versorgungssituation skizziert. Ein weiteres Projekt der Stiftung Auge (OVIS-Studie), das im November 2014 gestartet ist, erfasst die Situation älterer Menschen mit Sehbehinderungen in Seniorenheimen und soll Versorgungslücken identifizieren.

 

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Weitere Informationen

 

Infos für interessierte Universitäten

 

Abbildung: Geschätzte Häufigkeit wichtiger Augenerkrankungen in Deutschland (Weißbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland)

 

Ophthlmologische Volkskrankheiten betreffen Millionen Menschen | DOG News

Quellen:

 

C. Wolfram, N. Pfeiffer, Weißbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, München, September 2012

 

C. Hirneiß et al., Der Ophthalmologe, May 2014, Volume 111, Issue 5, pp 420-427, 10.1007/s00347-013-2921-z

 

Bausch + Lomb Global Barometer of Eye Health, 2012; Available from: http://www.bausch.com/ecp/for-your-practice/fact-sheet

 

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2008 von der DOG gegründet, setzt sich die Stiftung Auge dafür ein, vermeidbare Erblindungen und schwere Seheinschränkungen zu bekämpfen. Informationen zu den Projekten der Stiftung Auge sind unter www.stiftung-auge.de nachzulesen.

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Kontakt für Rückfragen

Kathrin Gießelmann
Stiftung Auge
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Berliner Büro:
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 59
10117 Berlin

Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-984

giesselmann@medizinkommunikation.org

www.stiftung-auge.de

Wenn Heuschnupfen „ins Auge geht“07. May 2015

DOG: Vorbeugen verhindert das Schlimmste

 

München – Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden an Heuschnupfen. Neben einer laufenden Nase und Atemwegsproblemen leiden viele auch unter juckenden und tränenden Augen oder sogar einer allergischen Bindehautentzündung. Medikamente bieten schnelle Linderung bei akuten Heuschnupfenbeschwerden. Diese helfen am besten, wenn Betroffene sie frühzeitig und regelmäßig einnehmen, so der Rat der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Darüber hinaus sollten Allergiker den Kontakt mit Pollen weitestgehend meiden. Dabei helfen einfache Tipps.

 

Wenn Gräser, Hasel und Birke blühen, verteilen sie ihren Pollen als feinen Staub in die Luft. Im Gegensatz zur Nase verfügt das Auge nicht über eine schützende Schleimhaut, so dass der Blütenpollen direkt auf die Bindehaut des Auges trifft. Dort kann er leichte Reizungen bis hin zu einer allergischen Bindehautentzündung verursachen: Die Augen röten sich, jucken, brennen und tränen stark, obwohl sie sich gleichzeitig trocken anfühlen. „Viele Allergiker leiden während der Pollensaison stärker unter den brennenden Augen als unter der laufenden Nase und trauen sich deswegen kaum ins Freie“, sagt DOG-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Ohrloff aus Frankfurt. Es gebe jedoch durchaus Medikamente, die die Beschwerden mildern, oder sogar ganz verhindern. Wichtig sei aber, diese Mittel frühzeitig und regelmäßig einzunehmen, möglichst schon ein paar Wochen, bevor der Pollenflug beginnt.

 

Heuschnupfen ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Blütenstaub. Um den Pollen abzuwehren schütten Immunzellen den Botenstoff Histamin aus, der die Entzündungen an Augen und Nase hervorruft. Bestimmte Medikamente, die sogenannten Antihistaminika, verhindern, dass der Histaminspiegel zu hoch ansteigt. Rechtzeitig eingenommen, können sie die allergische Reaktion weitestgehend verhindern.

 

Viele Antihistaminika gibt es rezeptfrei als Tabletten, Augentropfen oder Nasenspray. Neue Präparate haben kaum Nebenwirkungen und machen auch nicht müde, wie die älteren Wirkstoffe Dimetinden oder Clemastin. Dennoch könne es zu einer Einschränkung des Reaktionsvermögens kommen, so Geerling: „Betroffene sollten immer mit ihrem Arzt besprechen, welche Mittel für sie am besten geeignet sind, anstatt auf eigene Faust in die Apotheke zu gehen“, sagt Professor Dr. med. Gerd Geerling von der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf.

 

Am wirksamsten aber auch sehr schwierig sei es, den Kontakt mit Pollen zu meiden. Dazu zählt auch, die Wohnung und vor allem das Schlafzimmer frei davon zu halten. Dabei helfen einfache Ratschläge: Morgens und abends Stoßlüften und ansonsten Fenster geschlossen halten, tägliches Staubsaugen, Kleidung nicht im Schlafzimmer lüften. Auf Kontaktlinsen sollten Allergiker während der Blühphase verzichten. Eine eng anliegende Sonnenbrille schützt zusätzlich davor, dass Pollen in die Augen gelangt. „Auch wenn es schwer fällt, sollten Betroffene die Augen nicht reiben“, rät Geerling für den Fall, dass trotz aller Vorsicht die Augen zu jucken beginnen. „Dadurch verteilt sich Blütenstaub nur noch weiter in die Augen hinein.“ Besser sei es, die Augen vorsichtig mit einem Waschlappen sauber zu tupfen. Zusätzlich können Augentropfen helfen die Augen zu beruhigen und feucht zu halten. Diese sollten jedoch frei von Konservierungsmitteln sein. Geschwollene Lider lassen sich durch kühle Kompressen beruhigen.

 

Literatur: K. Schröder, D. Finis, S. Meller, B. A. Buhren, M. Wagenmann, G. Geerling; Die saisonale und perenniale allergische Rhinokonjunktivitis; Klin Monatsbl Augenheilkd 2014; 231: 496-504

 

Sonnenfinsternis 2015 DOG warnt: Nur mit Spezialbrille in den Himmel blicken20. March 2015

München, 19. März 2015 – Irreparable Netzhautschäden und der Verlust der Sehkraft drohen, wenn die für den 20. März angekündigte partielle Sonnenfinsternis ohne Spezialbrille verfolgt wird. Insbesondere Lehrer sollten dafür Sorge tragen, dass ihre Schüler dieses  Naturschauspiel  nur mit einer Schutzbrille mit erkennbarem CE-Zeichen  verfolgen. Darauf weist die  Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) aufgrund zahlreicher Anfragen kurz vor dem Ereignis noch einmal hin. Das Gefährliche ist, dass Netzhautschäden zunächst keine Schmerzen verursachen – sie werden erst dann wahrgenommen, wenn es bereits zu spät ist.

 

Am Freitag den 20. März 2015 kommt es ab 9.30 Uhr zu einem besonderen Naturschauspiel: Über Deutschland schiebt sich der Mond vor Sonne und bedeckt dabei über 80 Prozent von ihr – die Rede ist von der partiellen Sonnenfinsternis. Diese sollte jedoch ausschließlich mit Spezialbrille verfolgt werden. „Ohne einen geeigneten Schutz für die Augen drohen  irreparable Netzhautschäden, im schlimmsten Fall sogar Erblindung“, warnt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG. Grund dafür sind Sonnenstrahlen, die durch die Linse und gewölbte Hornhaut des Auges gebündelt werden. „Die Netzhaut kann dadurch regelrecht verbrennen“, betont der Experte. Die DOG empfiehlt insbesondere Lehrern, die mit ihren Schulklassen für die Sonnenfinsternis auf den Schulhof gehen, sich gut vorzubereiten. „Sie sollten darauf achten, dass jedes einzelne Kind eine passende Schutzbrille trägt. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus. “, erklärt Ohrloff.  Außerdem sei es wichtig, dass diese beim Rumtoben  nicht verrutscht, da der Schutz  dann nicht mehr gewährleistet  ist.

 

Das Tückische: Schäden an der Netzhaut werden erst dann bemerkt, wenn sie bereits irreparable zerstört wurde. „ Sobald Betroffene merken, dass sie nach dem Blick in die Sonnenfinsternis Buchstaben nicht mehr klar erkennen können, sollten sie  umgehend einen Augenarzt aufsuchen“, sagt Ohrloff. Bei der letzten Sonnenfinsternis im Jahr 1999 hatten 3 000 Patienten im Anschluss Augenprobleme. Um es jedoch erst gar nicht so weit kommen zu lassen, sollte das Naturspektakel ausschließlich mit Schutzbrille oder im Planetarium verfolgt werden. Sonnenbrillen, Skibrillen oder getönte Scheiben bieten bei einer Sonnenfinsternis  keine ausreichende  Sicherheit für das Augenlicht. Auch bei Schutzbrillen von der letzten Sonnenfinsternis ist Vorsicht geboten: „Das Material der Spezialfolie könnte im Laufe der Zeit feine Risse gebildet haben. Bevor man also die Brillen von 1999 einfach verwendet, sollte man diese auf mögliche kaputte Stellen kontrollieren“, sagt der DOG-Experte.  

Kunstlinse bei Grauem Star Studie belegt: Übung macht den Meister27. January 2015

München – Mindestens 300 Operationen sollte ein Augenarzt unter Aufsicht durchgeführt haben, bevor er eigenständig eine Linsentrübung des Auges operiert, den so genannten Grauen Star. Diese Empfehlung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) untermauert jetzt eine Freiburger Studie – die erste dieser Art. Danach wächst das Können mit der Zahl der Eingriffe, die ein Nachwuchsarzt durchführt. Die DOG wertete die Ergebnisse als Argument für die Einführung festgelegter Eingangskriterien für Operateure in der Augenheilkunde.


Mit rund 600 000 operierten Augen pro Jahr gehört die Operation des grauen Stars – in der Fachsprache Katarakt genannt – zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Dabei tauscht der Augenarzt die getrübte Augenlinse gegen eine Kunstlinse aus und stellt so das Sehvermögen des Patienten wieder her. „Auch wenn die Kataraktoperation ein Routineverfahren ist, können Komplikationen auftreten“, sagt DOG-Generalsekretär Professor Dr. med. Thomas Reinhard. „Dabei beeinflussen das Können und die Erfahrung des operierenden Augenarztes die Sicherheit des Patienten“, so der Geschäftsführende Ärztliche Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Deshalb empfiehlt die DOG bereits seit 2012 für Nachwuchs-Augenärzte Eingangskriterien zur Qualitätssicherung operativer Eingriffe in der Augenheilkunde. Für die Kataraktoperation rät die DOG den angehenden Operateuren mindestens 300 Eingriffe unter Aufsicht eines erfahrenen Kollegen durchzuführen, bevor er eigenverantwortlich zu Werke geht. „Diese Mindestmengen spielen gerade hier eine entscheidende Rolle für die Behandlungsqualität“, betont auch Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG aus Frankfurt.

Dass die Anforderungen gerechtfertigt sind, belegt eine Studie der Universitätsklinik Freiburg jetzt durch Prüfung von insgesamt 5475 Kataraktoperationen von 13 Operateuren mit unterschiedlichem Erfahrungsgrad. Anhand der Operationsberichte recherchierten die Ophthalmologen ob nach der Operation Schäden an der Hinterkapsel der Augenlinse aufgetreten waren – die häufigste und gefährlichste Komplikation, die in der Kataraktoperation vorkommt. Im Extremfall kann sie das Sehvermögen des Patienten dauerhaft beeinträchtigen. Anhand der Daten erstellten die Augenheilkundler eine Lernkurve, die das handwerkliche Können eines Augenarztes im Verhältnis zu seiner Erfahrung anzeigt. Dementsprechend ist das Risiko für Komplikationen mit 4 Prozent am höchsten bei Nachwuchs-Operateuren, die weniger als 300 Eingriffe durchgeführt haben. Dieses Risiko verringert sich bis zum 1 500. Eingriff und darüber hinaus auf 1 Prozent oder weniger.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Mindestanforderungen der DOG ein geeignetes Maß sind, um die Qualität in der Kataraktchirurgie zu verbessern“, sagt Reinhard. Es sei es sogar denkbar, die Kriterien noch weiter zu verschärfen. Junge Ärzte mit weniger als 300 Fällen Erfahrung sollte immer ein Kollege anleiten. Die Freiburger Untersuchung ist die erste Studie, die den Lernfortschritt angehender Kataraktchirurgen so detailliert festhält.

Literatur:

Böhringer D, Vach W, Hagenlocher K, Eberwein P, Maier P, et al. (2014) Are Entry Criteria for Cataract Surgery Justified? PLoS ONE 9(11): e112819. doi:10.1371/journal.pone.0112819

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e. V.: Empfehlungen von Eingangskriterien zur Qualitätssicherung operative Eingriffe in der Augenheilkunde, 2012

 


Wenn Silvester ins Auge geht - Augenärzte fordern Schutzbrille gegen Feuerwerk19. December 2014

München – Raketen und Böller sind gefährlich: Ein Fünftel aller Verletzungen durch Feuerwerkskörper betrifft die Augen, mahnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Die Folgen sind mitunter schwerwiegend, bis hin zur Erblindung. Die DOG rät deshalb mit Blick auf den Jahreswechsel zur Vorsicht im Umgang mit Knallkörpern und bemängelt das gelockerte Sprengstoffgesetz. Seit dessen Novelle haben die Verletzungen zugenommen.

Wenn in der Silvesternacht Raketen den Himmel erleuchten und Böller die Trommelfelle erschüttern, haben Augenkliniken Hochbetrieb. Das Spektrum der eingelieferten Fälle reicht von Schäden an Binde- oder Hornhaut durch Funken und Fremdkörper. Bis hin zu schwersten Verletzungen durch Böller mit geborstenem Augapfel, die in einer Notoperation enden.

Dennoch hat die Bundesregierung im Jahr 2009 die Richtlinien für Explosivstoffmassen den EU-Normen angepasst. Raketen dürfen seitdem zehn statt vorher sechs Gramm Schwarzpulver enthalten. Für Batterien von Knallkörpern ist jetzt eine Netto-Explosivstoffmasse von bis zu 500 Gramm erlaubt. Laut einer Untersuchung der Universitätsaugenklinik Leipzig, kam es in den beiden Folgejahren zu einem Anstieg der Verletzungen.

Augenärzte sind heutzutage in der Lage, auch komplizierte Verletzungen an Hornhaut, Linse, Regenbogenhaut oder Blutungen in den Augapfel zu behandeln. Doch nicht immer können sie den Schaden reparieren: In den Jahren 2005 bis 2013 sind in Leipzig und Umgebung elf Menschen nach einer Verletzungen durch Feuerwerkskörper an einem Auge erblindet. Das sind acht Prozent der in dieser Zeit insgesamt 94 am Auge verletzten Männer und 23 Frauen.

Von diesen meist männlichen Patienten war ein Viertel noch keine 18 Jahre alt. Bei den schweren Verletzungen betrug der Anteil sogar ein Drittel. „In der Silvesternacht neigen viele Menschen beim Feuerwerk zu Übermut und risikobereitem Verhalten“, zeigt sich DOG-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Ohrloff zwar verständnisvoll. „Doch dabei gefährden sie sehr ernsthaft sich selbst und vor allem ihre Mitmenschen.“ Nur ein Viertel der am Auge Verletzten hatte die Böller oder Raketen selbst gezündet. Meist traf es Unbeteiligte.

Die DOG fordert Aufklärung über den Umgang mit Feuerwerkskörpern und Hinweise zum Schutz davor. In Dänemark beispielsweise half die Empfehlung, Schutzbrillen zu tragen. Dies minderte die Zahl der Verletzungen. In Norwegen gab es die Schutzbrillen beim Kauf von Feuerwerkskörpern sogar gratis dazu. Seit 2008 ist der Verkauf von Raketen dort jedoch ganz verboten, was die Zahl der Augenverletzungen insbesondere zu Silvester deutlich verringert. In Leipzig wurden allerdings zwei Drittel aller Verletzungen durch Knallkörper wie Böller verursacht. Für die DOG wäre eine Empfehlung zum Tragen von Schutzbrillen ein erster, wichtiger Schritt, die Zahl der Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper zu verringern.

Quelle:

J. D. Unterlauft, P. Wiedemann, P. Meier. Firework-Related Eye Trauma from 2005 to 2013. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2014; doi: 10.1055/s-0034-1368376

Kurzsichtige Kinder16. December 2014

Augentropfen mit Atropin mindern frühe Sehschwäche


München – Geringe Mengen des medizinisch vielfach eingesetzten Nervengifts Atropin können kurzsichtigen Kindern gegen ihre Sehschwäche helfen, berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „American Journal of Ophthalmology“. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) sehen in diesen Ergebnissen einen ergänzenden Weg, das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen zukünftig einzudämmen.

 

Ophthalmologen vom Singapore National Eye Center untersuchten 400 kurzsichtige Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren gaben sie den kleinen Patienten entweder Augentropfen mit unterschiedlichen Atropinkonzentrationen oder einen Placebo. Die geringste Atropin-Dosis konnte das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit nach fünf Jahren um bis zu 80 Prozent verzögern. „Die Ergebnisse geben Anlass zu hoffen, dass wir kurzsichtige Kinder zukünftig davor bewahren können, einen großen Teil ihrer Sehkraft zu verlieren“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG aus Frankfurt. In jedem Fall müssten Nebenwirkungen genau geprüft und ausgeschlossen sein. Kinder vertragen Atropin nur in geringsten Mengen.

 

Häufigkeit und Schwere von Kurzsichtigkeit haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. In allen Industrienationen ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig, in einigen asiatischen Ländern liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent. Ursache der Sehschwäche ist ein zu langer Augapfel: Lichtstrahlen, die ins Auge fallen, bilden ihren Brennpunkt nicht auf, sondern vor der Netzhaut, sodass das Bild verschwommen erscheint. Der Augapfel wächst bei einigen Menschen bis zum 30. Lebensjahr. Deshalb verstärkt sich Kurzsichtigkeit häufig bis zum Erwachsenenalter. „Je früher sie im Kindesalter einsetzt, desto mehr Sehkraft wird der Betroffene bis zum Erwachsenenalter verlieren“, erklärt Ohrloff. Gleichzeitig drohen Folgeerkrankungen: Schon bei einer leichten Kurzsichtigkeit von -1 bis -3 Dioptrien verdoppelt sich das Risiko auf Netzhautablösung, grünen oder grauen Star.

Warum immer mehr Menschen kurzsichtig werden, ist noch nicht endgültig geklärt. „Studien haben gezeigt, dass neben den Genen auch Umweltfaktoren wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung eine entscheidende Rolle spielen“, sagt Professor Dr. rer. nat. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen. „Auch Naharbeit wie stundenlanges Lesen, Fernsehen und Arbeiten am Computer  sowie ein Mangel an Tageslicht scheinen das Sehvermögen zu mindern.“

Atropin ist das Gift der Tollkirsche, das in der Medizin bereits vielseitig Verwendung findet. Augenärzte nutzen es zur Erweiterung der Pupillen um den Augenhintergrund besser untersuchen zu können. Ob der Atropin-Effekt nachhaltig wirkt und welche Nebenwirkungen die Behandlung haben kann, wollen die Autoren nun in weiteren Studien untersuchen.

Literatur:

A. Chia et al. Atropine for the Treatment of Childhood Myopia: Safety and Efficacy of 0.5%, 0.1% and 0.01% Doses (Atropine for the Treatment of Myopia 2), Am J Ophthalmol 2014; 157: 451-4

 

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Viele Augenkrankheiten sind Volkskrankheiten – hohe Kosten für die Gesellschaft28. July 2014

München – Die Folgen von Augenerkrankungen belasten die deutsche Volkswirtschaft mit bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr. Noch immer würde die Bedeutung von Augenleiden für Gesundheitssystem und Gesellschaft unterschätzt, stellen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) fest.

„Die meisten Menschen verbinden den Begriff Volkskrankheit mit Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Gelenkverschleiß oder Diabetes, an Augenleiden denken die wenigsten“, sagt der Sprecher der DOG, Professor Dr. med. Christian Ohrloff aus Frankfurt. Dabei leiden in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen an der altersbedingten Netzhauterkrankung Makuladegeneration – davon 1,6 Millionen an der feuchten Spätform - und eine Million an einem grünen Star, dem Glaukom. Etwa 500 000 bis 600 000 Diabetiker haben Augenschäden, eine sogenannte diabetische Retinopathie. Der Austausch der Augenlinse beim grauen Star, der Katarakt. ist mit 600 000 bis 800 000 Operationen der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt. Und etwa ein Viertel der Bevölkerung trägt wegen Kurz- oder Weitsichtigkeit eine Brille. „Alle diese Erkrankungen sind bereits aufgrund ihrer Häufigkeit Volkserkrankungen“, so Professor Ohrloff. Und neben der gesundheitlichen Beeinträchtigung seien ihre volkswirtschaftlichen Kosten erheblich.

 

Professor Dr. med. Aljoscha Steffen Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München ermittelte hierzu mit Ärzten die entstehenden Kosten: Die Studie umfasst die direkten und die indirekten Kosten durch die häufigsten Augenkrankheiten. „Die direkten Kosten entstehen durch Diagnostik und Therapie, Medikamente sowie Heil- und Hilfsmittel“, erläutert Neubauer, der dies aus öffentlichen Statistiken und Abrechnungszahlen der Krankenkassen recherchieren konnte. Die Kosten für die Behandlung des grauen Stars betragen jährlich über 600 Millionen Euro. Laut Professor Neubauer sind sie fast ausschließlich auf ambulante oder stationäre Operationen zurückzuführen. Bei der diabetischen Retinopathie und der altersbedingten Makuladegeneration schlagen Medikamente stärker zu Buche. Die Injektionsbehandlungen mit sogenannten Anti-VEGF-Wirkstoffen, die die Bildung von krankhaften Blutgefäßen in der Netzhaut verhindern, kosten zwischen 3 000 und 13 000 Euro pro Patient und Jahr. Der Experte schätzt die Kosten für die altersbedingte Makuladegeneration auf weitere mindestens 600 Millionen Euro pro Jahr. Vergleichbare Gesamtkosten ermittelt der Versorgungsforscher für das Glaukom. Auch hier sei ein Großteil der Kosten durch Medikamente bedingt. Für die Behandlung von Kurz- und Weitsichtigkeit fallen jährlich mindestens 300 Millionen Euro an, die in der Regel von den Patienten selbst getragen werden. Hier macht sich eine zunehmende Zahl von Korrektur-Operationen bemerkbar, die Professor Neubauer mit 40 000 bis 60 000 im Jahr angibt. Für die Behandlung anderer Augenerkrankungen fallen nach Schätzung des Experten mindestens 500 Millionen Euro an. Dies ergibt eine Gesamtsumme von 2,6 Milliarden an direkten Kosten.

 

Schwerer beziffern lassen sich die indirekten Kosten. Sie entstehen durch den Verlust an Produktivität, Krankschreibungen, Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit. „Auch der Verlust an Lebenszeit und Lebensqualität zählt im Prinzip zu den indirekten Kosten“, erläutert Professor Dr. med. Anselm Kampik, Generalsekretär der DOG aus München. Den Berechnungen liegen zwei US-Untersuchungen zugrunde. Eine bezifferte das Verhältnis der direkten zu den indirekten Kosten auf drei zu eins. Bezogen auf die errechneten 2,6 Milliarden Euro an direkten Kosten wären dies 870 Millionen durch indirekte Kosten. Der zweiten US-Studie zufolge beträgt der Anteil der direkten Kosten nur etwa 30 Prozent der Gesamtkosten. Nach diesem Modell kämen zu den direkten Kosten von 2,6 Milliarden Euro noch einmal 8,6 Milliarden an indirekten Kosten hinzu. Zu beiden Werten müssen dann noch die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) addiert werden, die die Patienten direkt beim Arzt bezahlen, da die Leistungen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Dies ergibt etwa 300 Millionen Euro im Jahr.

 

Gesamtwirtschaftlich würde dies Kosten von mindestens 3,77, maximal 11,5 Milliarden Euro ergeben. Kampik nimmt an, dass der wirkliche Betrag zwischen diesen beiden Werten liegt. Nicht einbezogen in die Berechnung sind die etwa 4,5 Milliarden Euro, die Deutsche jedes Jahr für Brillen und Kontaktlinsen ausgeben. Diese werden nicht beim Augenarzt, sondern überwiegend direkt beim Optiker gekauft. Professor Kampik rechnet fest damit, dass die in der Studie ermittelten Zahlen infolge der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren ansteigen. Denn die meisten Augenkrankheiten treten mit zunehmendem Alter häufiger auf.

 

Quelle:

C. Hirneiß, A. Kampik, A. S. Neubauer. Volkswirtschaftliche Kosten von Augenerkrankungen. Der Ophthalmologe 2014; 111: 420–427

 

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

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